Wachsender Optimismus in der deutschen Wirtschaft

9. März 2006, 16:54
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Ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste deutsche Wirtschaftsindikator, auf höchstem Stand seit 1991 - Auch Österreich profitiert

München/Wien - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist so gut wie zu Zeiten des Wiedervereinigungsbooms. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Februar auf 103,3 von 101,8 Zählern im Vormonat, den höchsten Stand seit Oktober 1991, teilte das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag mit. "Der Aufschwung gewinnt an Breite", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. "Zusätzlich zum Exportgeschäft scheint nun auch die Binnennachfrage in Schwung zu kommen."

Kauflaune stabilisiert sich

Da sich auch die Kauflaune stabilisiert, erwarten Experten, dass die Konjunktur nach der Wachstumspause Ende 2005 wieder Fahrt aufnimmt. Skeptiker befürchten allerdings, dass der Euphorie ein böses Erwachen folgt.

An den Finanzmärkten lieferte der Ifo-Index den Aktienkursen neuen Schub, da die Märkte einen Rückgang des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers erwartet hatten. Der Dax erreichte mit 5884 Punkten kurzzeitig den höchsten Stand seit Sommer 2001. Auch der Euro legte gegenüber dem Dollar zu. Andere europäischen Börsen verzeichneten hingegen Verluste, weil Anleger eine baldige Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank erwarten.

Bessere Aussichten

In der Ifo-Umfrage bewerteten die rund 7000 befragten Unternehmen ihre laufenden Geschäfte sowie ihre Aussichten erneut besser. Vor allem die Einzelhändler äußerten sich positiver. Aber auch im Großhandel, beim Bau und in der sowieso schon optimistischen Industrie nahm die Zuversicht noch einmal zu. Die günstigen Exportaussichten trübten sich kaum ein. Die Dienstleister planten angesichts des verbesserten Geschäftsklimas auch mehr Einstellungen. Nach Ansicht von Ifo-Ökonom Klaus Abberger gibt dies den fünf Millionen Arbeitslosen in Deutschland Hoffnung. "Der Stellenabbau sollte jetzt doch zum Stillstand kommen", sagte er.

Nicht immer Niederschlag in realen Werten

Wifo-Konjunkturexperte Markus Marterbauer warnte allerdings im STANDARD-Gespräch: "Das Problem ist, dass sich der deutsche Optimismus nicht immer in den realen Werten niederschlägt." Der private Konsum sei weiterhin schwach. Für Österreich sei allerdings die Exportwirtschaft in Deutschland wichtiger als der Konsum, und die sei weiterhin sehr stark.

In der Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ging die Konsumlust der Deutschen zwar zurück, doch die Verbraucherstimmung blieb stabil. Für März stieg das Konsumklima daher auf 4,8 von 4,6 Punkten. (Reuters/Eric Frey, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.2.2006)

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