Der Hering zum Schmaus

2. März 2006, 17:19
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Wo es am Aschermittwoch noch ordentlich eingelegten Fisch gibt

Am Mittwoch ist der Fasching vorbei und der Heringsschmaus da. Da wird wieder ein Großteil des jährlichen Fischkonsums an einem Abend erledigt - nicht umsonst sind wir europaweites Schlusslicht in Sachen Fischverzehr. Deshalb darf man sich nicht wundern, dass auch der Namen spendende Hering hierorts ziemlich misshandelt wird: Kein heimischer Hersteller (Ozean, Warhanek, Elfin) legt Bismarckheringe, Russen und Rollmöpse noch so ein, wie man es sich wünschen würde.

Allerorten wird künstlich gesüßt und konserviert, dass am Gaumen vor allem eines bleibt: ein scharfer Nachgeschmack, der nur langsam ins Schale übergeht. Um an ehrliche Ware zu kommen, hilft, wie so oft, nur der brave Graben-Meinl: An der Fischtheke gibt es die (von Aibler importierten) Bismarcks aus Holland, die wie je nur mit Essig, Zucker, Kräutern und Gewürzen eingelegt werden und einen ganz natürlich in die Wirklichkeit des Spätwinters zurückholen.

Noch sanfter landen jene, die den traditionellen Schmaus im famosen Restaurant "Graf Hunyady" im Prater begehen: Hier wird dem Hering nämlich die gebührende Ehre erwiesen. Der großartige Küchenchef Bernhard Rieder legt die frischen, fetten Fischlein noch selbst in allerhand sanft gesäuerte und gesüßte Marinaden, präsentiert auch den legendären schwedischen Stinkefisch "Surströmming" (riecht abartig, schmeckt aber nach gut gereiftem Käse) ganz klassisch und sorgt auch sonst für Hangover-Cures der allerfeinsten Art. Große Empfehlung!
(corti/Der Standard/rondo/24/02/2006)

Graf Hunyady
Trabrennbahn
Tribüne 1
1020 Wien
Tel.: 01 / 729 35 72
Heringsschmaus € 77
  • Artikelbild
    foto: epa/altwein
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