Männersache Manieren

27. März 2006, 16:11
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Mann hat es in seinem Rollenbild nicht leicht. Erst war er metro-, jetzt ist er übersexuell - sprich: Er muss sich klassisch rasieren

1970 waren noch 85 Prozent der Männer mit ihrem Aussehen zufrieden, heute sind es bedeutend weniger, was wohl wenig damit zu tun haben dürfte, dass Männer um vieles schöner geworden sind. Immerhin finden noch gut 50 Prozent ihre Ausstrahlung klasse und halten ihren Po für hinschauenswert. Wirkliche Selbstzufriedenheit schaut anders aus.

Keine Frage: Männer befinden sich seit einiger Zeit dort, wo es sich auch das andere Geschlecht (un)gemütlich gemacht hat: auf der Therapeutencouch, im Fitnessstudio oder bei der Kosmetikerin. Vor dem Badezimmerspiegel halten sie sich täglich sogar nur fünf Minuten kürzer auf (22 Minuten) als die Kolleginnen. Und doch ist vieles anders: Das hat vor allem mit den 8000 bis 15.000 Barthaaren zu tun, deren mann Herr werden muss.

Diese stutzt, zupft, wäscht und balsamiert er - mit beträchtlichem (auch finanziellem) Aufwand: Halbstumpfe Rasiermesser und billiges Aftershave lösen bei männlichen Luxusgeschöpfen höchstens ein Rümpfen der gut eingecremten Nasen aus. Darauf bauen auch die Kosmetikmarken, für die der Männermarkt sowieso der zukunftsträchtigste Bereich ist (prognostizierte Zuwachsraten bis 2008: 19 Prozent). Nach Jahren der Niedrig- und Mittelpreisprodukte schielen sie zunehmend auf den Dandy mit lockerer Brieftasche, und docken dabei an Traditionen aus dem angelsächsischen und italienischen Raum an.

Die "Übersexuals"

Der Mann etwa, der sich die neue "Collezione Barbiere" von Acqua di Parma leistet, das Rasiergel mit Extrakten aus Weinrebe, Melisse und Wasserminze oder den Balsam mit Aloe-Vera-Gel und Mandelölen, dem ist wohl auch Creed oder Yardley ein Begriff; Wer sich das Rasiermesser aus Wengé-Holz oder den edlen Pinsel aus Dachshaar ins Badezimmer stellt, bei dem ist auch die schöne Krawattensammlung nicht weit. Gaultiers Tartankilt hat dieser Mann aus der schon versunken geglaubten Welt des Eau de Cologne dagegen nicht im Schrank, die Zeit der Metrosexuellen ist bekannterweise vorbei.

Mittlerweile hat man die "Übersexuals" (Marian Salzman) ausgerufen, Männer, die "selbstbewusst, maskulin und stilsicher" sind, und wieder ist man nicht so ganz sicher, ob nicht auch diese schräg an Nietzsches "Übermenschen" erinnernde Wendung eine Erfindung der Kosmetikbranche ist. Von Beckhams Cremeeskapaden hat sie bekanntlich am meisten profitiert, die jetzige Invasion der "New English Dandys" versetzt dagegen die Traditionshersteller unter den Beautyfabrikanten in helles Entzücken. "Für den anspruchsvollen und eleganten Herrn" bewirbt denn Acqua di Parma seine neuesten Produkte - die wunderbar dazupassenden Gentlemen lieferten gerade die Modedefilees in Mailand und Paris. So viele Dreiteiler hat man hier schon seit Langem nicht gesehen - da durfte manchmal sogar das Brusthaar ein wenig unterm Hemd hervorlugen.

Die Eau-de-Cologne-Fraktion freut's. Nur eine Sache dürfte die Rasierschaumhersteller ein wenig irritieren: Kerle mit Sinn fürs Schöne tragen nämlich wieder Bart - anders als jener der Bobos ist der ihre allerdings penibel gestutzt. Glücklicherweise benötigt man auch dafür das passende Werkzeug und die passenden Lotionen.
(hil/Der Standard/rondo/24702/2006)

Acqua di Parma liefert die Utensilien
  • Die gute Rasur ist der Schlüssel für tadelloses Aussehen: Das steht zumindest in den Benimmbüchern dieser Welt.
    foto: acqua di parma

    Die gute Rasur ist der Schlüssel für tadelloses Aussehen: Das steht zumindest in den Benimmbüchern dieser Welt.

  • Der italienische Nobelparfumeur Acqua di Parma hat also für den Gentleman von heute eine schmucke Rasierlinie entwickelt.
    foto: acqua di parma

    Der italienische Nobelparfumeur Acqua di Parma hat also für den Gentleman von heute eine schmucke Rasierlinie entwickelt.

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