Alles in einen Topf werfen

29. Juni 2006, 16:28
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Er bändigt den Kabelsalat, füttert allerlei Gerät mit Strom und schaut auch noch gut aus, der Tech-Topf "Multipot"

Er hätte das lichtspendende Geräteauflade- und -ablagedesignobjekt schlechthin werden können. Doch er ist es nicht ganz. Dass der Multipot dennoch ein liebenswertes Ding ist und wahrscheinlich ein Erfolg wird, liegt an seiner genialen Verknüpfung von vielen Eigenschaften, die wir schätzen, auch wenn wir sie in dieser Kombination nicht erwartet hätten.

Oder GERADE weil wir sie so nicht erwartet haben. Die Firma Rotaliana, Sitz in Mezzolombardo / Trentino, beauftragte das Büro Donegani & Lauda, einen multifunktionalen Blumentopf ohne Blumen zu entwickeln. Er sollte den Kabelsalat der immer zahlreicher werdenden Akkuladegeräte (mindestens ein Handy pro Familienmitglied, iPods, Digitalkameras etc.) bändigen und ihnen Strom zuführen, den zugehörigen Geräten als Ablage dienen und außerdem auch noch Licht spenden.

Lampe ist der Multipot keine

Letzteres tut er aus leicht nachvollziehbaren Gründen nicht. Denn der Multipot, 19 cm hoch und zwischen 14 (unten) und 23,5 cm (oben) im Durchmesser, kommt in vier Farben - Weiß, Schwarz, Chrom und Amber -, die kaum Licht durchlassen. Nur nach oben schimmert es leicht. "Lampe ist der Multipot keine", sagt auch Johannes Watzka, Geschäftsführer von revoluce in der Wiener Burggasse 5-9, der den Topf im Programm hat, "doch immerhin leuchtet er nächtens genug, dass man sein Gerät daran anstecken kann." Und gerade genug, dass er als schönes Objekt made in Italy dem Schlafwandler den Weg weist.

In Italien gemacht war auch eine Einführungskampagne, die in die Kategorie Desinformation gehört. Bereits Ende Mai vergangenen Jahres erschien ein Jubelartikel über Multipot in einem italienischen Wochenmagazin, das nach Art des Pawlow'schen Hundes im Leser speichelsabbernde Kaufgelüste auslöste. Der Beitrag zitierte einen falschen Preis und zeigte den Pott in der einzigen Ausführung, in der er zurzeit NICHT erhältlich ist, nämlich durchsichtig. Vor allem aber war das Gerät damals in gar keiner Version und zu keinem Preis zu kaufen, weil die Auslieferung nämlich, so die nach vielen Sackgassen erhaltene Auskunft von Rotaliana, erst im Juli beginnen würde.

Aus dem Hochsommer wurde, was nicht mehr überraschte, fast Jahresende, und der Speichel wäre schon fast eingetrocknet, wenn das Gerät nicht schließlich im Schaufenster gethront hätte (der Cairo-Katalog führt es auch bereits). Um 198 Euro gehört es uns - nicht viel für eine schöne Topfskulptur. Sie leuchtet nicht. Dafür müssen wir sie nicht gießen.
(Michael Freund/Der Standard/rondo/24/02/2006)

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