Wulf Bernotat

27. Juli 2006, 14:28
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Herr Bernotat will immer weiter wachsen - Der Chef der deutschen Eon will weltgrößten Energiekonzern schmieden

Wulf Bernotat kennt das Wort "Ausland" nicht. Der Chef des größten deutschen Energiekonzerns E.on hatte seine Karriere vor 30 Jahren in der Hamburger Rechtsabteilung von Royal Dutch Shell begonnen und für den Ölmulti in London, Paris und Lissabon gearbeitet, bevor er nach Deutschland zurückkehrte.

Deshalb kostete es Bernotat auch keine besondere Überwindung, ein milliardenschweres Angebot für die spanische Endesa abzugeben - ein Schritt, der E.on zum weltweit größten Energiekonzern machen würde. Damit wollte der 58-jährige Vater zweier erwachsener Töchter auch offenbar seine eigene jüngste Prophezeiung wahr machen: Am Ende einer Fusionswelle würden nur drei Energieriesen in Europa übrig bleiben, sagte er vor wenigen Tagen. Einer davon wäre natürlich sein eigener Konzern.

Spanischer Zorn

Mit diesem Schritt hat Bernotat jedoch den Zorn des spanischen Premiers hervorgerufen, der die Endesa lieber an einen anderen spanischen Konzern verkauft sehen will. Tage zuvor hatte sich auch die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes in die Front seiner Gegner eingereiht, als sie ein Kartellverfahren gegen europäische Energieriesen, hier vor allem gegen E.on und RWE aus Deutschland, ankündigte.

Aber der studierte Jurist nahm auch diese Herausforderung gelassen. Mit seiner unprätentiösen Art gewann Bernotat seit seinem Antritt an der Spitze der E.on im Mai 2003 viel Sympathie. Er sucht das Gespräch mit den Mitarbeitern, ohne sich je anzubiedern, heißt es. Und am "Casual Friday" bleibt auch bei ihm die Krawatte zu Hause.

Auch in der deutschen Politik ist Bernotat noch in kein Fettnäpfchen getreten - gerade weil er nach außen hin weder innenpolitischen Intrigen noch geopolitischen Sandkastenspielen viel Beachtung schenkt. Die E.on-Beteiligung an der Gasprom - eine rein kommerzielle Angelegenheit. Sein Interesse an der OMV-Pipeline Nabucco, die iranisches Gas nach Europa bringen soll - eine sinnvolle Diversifizierung der Erdgasquellen.

Elf Jobs bis zur Spitze

Elf Jobs hatte Bernotat in 27 Jahren inne - und jeder brachte ihn näher an die Spitze. Als smarten Überflieger ohne Tiefgang bezeichnen ihn daher die wenigen Kritiker. Nach seinem Abschied von Shell ging er 1996 zur Veba und wurde Chef der Handelstochter Stinnes, die nach der Fusion von Veba und Viag zur E.on nicht mehr zum Kerngeschäft gehörte. Bernotat brachte die verkrustete Stinnes an die Börse, verdoppelte dort den Kurs innerhalb von zwei Jahren und bereitete den Verkauf an die Deutsche Bahn vor. Begeistert von diesen Erfolgen erkor ihn E.on-Chef Ulrich Hartmann zu seinem Kronprinzen.

"Ich bin Herr Bernotat von E.on", stellt sich der Chef selbst gerne vor. Mehr wolle er nicht vom Leben - solange nur seine E.on weiter wächst. (Eric Frey, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.2.2006)

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