Weniger Zinsen für geborgtes Geld

22. März 2006, 16:08
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Devisen absichern hilft sparen

Wer gerne weniger Zinsen für geborgtes Geld zahlen möchte, weicht oft auf Fremdwährungs-Kredite aus. Denn die Schweiz oder Japan weisen ein deutlich niedrigeres Zinsniveau als die Euro-Länder auf, was Schweizer Franken und Yen als Kreditwährungen attraktiv macht. Aber: nicht ganz ohne Risiko.

  • Risiko Nummer eins: Schwankung der Währungskurse. Konkret eine Aufwertung der Kreditwährung.

  • Risiko Nummer zwei: Die Zinsen; sie entwickeln sich in den einzelnen Währungen unterschiedlich. Untersuchungen zeigen zwar, dass über einen längeren Zeitraum sowohl Franken als auch Yen gegenüber dem Euro aufgewertet haben. Durch die Zinsdifferenz konnte diese Aufwertung aber trotzdem mehr als aufgefangen werden.
  • Hanns Abele, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, hat errechnet, dass Franken-Kreditnehmer über zehn Jahre rund ein Drittel ihrer Kreditsumme erspart haben. Ob das so bleibe, sei fraglich, denn bereits in den vergangenen Jahren schrumpfte der Ertrag. In einer Periode steigender Zinsen, in der wir uns momentan befinden, kann die Differenz weiter schwinden. Umso wichtiger die Beobachtung der Zins- und Wechselkurs-Relationen - für Private jedoch ein hoher Aufwand. Professionelles Devisenmanagement ist daher gefragt.

    Die RLB Niederösterreich-Wien offeriert ihren Fremdwährungs-Kredit-Kunden ab einer Summe von 200.000 Euro Zinsabsicherungen auf fünf Jahre. Die Prämie dafür beträgt 1,5 Prozent. Umfangreichere Dienste bieten einige Spezialisten, meist in Zusammenarbeit mit Banken. Christian Flott von der Devisenmangement Company hat ein Modell entwickelt, das auch das Tilgungsträger-Risiko inkludiert. Flott: "Durch den Verkauf von kurzfristigen Devisenoptionen sammeln wir wie Eichhörnchen Prämien und wollen so einen Netto-Ertrag von 3,5 bis sieben Prozent jährlich erwirtschaften." Dieser diene zur Absicherung der Wechselkurs-Risiken, sollte aber optimal sogar zu einer vorzeitigen Tilgung reichen. Zu bezahlen ist eine Management-Gebühr von 0,2 Prozent pro Quartal und eine Gewinn-Beteiligung von 15 Prozent. Eine Zins-Sicherung für Franken hält Flott derzeit für wenig zielführend, da keine hohen Sprünge zu erwarten sind.

    Othmar Seidl, Geschäftsführer von Devisenmanagement Seidl, will durch gezieltes Management die Fremdwährungs-Kredit-Risiken weit gehend ausschalten und zwar "durch kluges Konvertieren". Von 1999 bis 2003 wechselte Seidl vom Franken in den Yen, danach wieder umgekehrt vom Yen in den Franken. "Wir erzielten einen durchschnittlichen Währungsgewinn von 18 Prozent", sagt Seidl. Er erwartet stark steigende Zinsen und sichert seine Kunden entsprechend ab. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.2.2006)

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