Deutsche entdecken Franken-Kredite

22. März 2006, 16:08
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In Österreich ist der Kredit in Yen oder Schweizer Franken mittlerweile sehr beliebt. Jetzt entdecken auch immer mehr deutsche Bürger diese billige Finanzierungsform

Für viele Österreicher waren die Fremdwährungskredite in den vergangenen Jahren eine höchst erfreuliche Erfolgsgeschichte: Während man bei einer allgemeinen privaten Neuverschuldung sehr vorsichtig war, herrscht bei Fremdwährungskrediten ein Boom.

Und obwohl sich manche Institute in der Öffentlichkeit gerne von Fremdwährungskrediten, im Fachjargon auch "FX-Kredite" genannt, distanzieren, ist die Zahl der aktiven Verträge inzwischen auf beachtliche 750.000 angewachsen. Damit zählt Österreich weltweit zu den Spitzenreitern bei FX-Finanzierungen: Denn rund um die Alpenrepublik wurden diese Kredi- te - außer im "Geburtsland" Schweiz - lange Zeit Privatpersonen nicht gewährt.

Von der Schweiz ausgehend, hatten Fremdwährungskredite mit Vorarlberger Grenzgängern, die diese günstige Finanzierungsform in der Schweiz bemerkten und sie dann auch zu Hause bei ihrer Bank verlangten, ihren Siegeszug in Österreich angetreten.

Jetzt wiederholt sich diese Geschichte: Im Nachbarland Deutschland war diese Art der Finanzierung lange Zeit so gut wie unbekannt und wurde bisher meist nur von großen Konzernen genutzt. Die deutschen Bürger bemerkten jedoch, dass es jenseits der südlichen Grenze billiges Geld gab, und so entwickelte sich rasch eine rege Nachfrage.

Steigende Nachfrage

Mittlerweile ist die Baufinanz Bayern seit zehn Jahren im deutschen Mittenwald in Sachen FX-Kredit höchst aktiv: "1996, als die Baufinanz begonnen hat, war dieses Finanzierungsinstrument in Deutschland in der breiten Bevölkerung weit gehend unbekannt. Inzwischen kennt es jeder - wir haben am Tag durchschnittlich 50 Kreditanträge auf dem Tisch", erläutert Nikolai Nagele, Leiter des Baufinanz-Währungsmanagements. Finanziert werden heute private Hausbauten mit Kreditsummen zwischen 100.000 und 500.000 Euro bis nach Flensburg im Norden Deutschlands: "Viele Firmen hätten eine FX-Finanzierung zwar gern, bekommen sie aber nicht - und größere Firmen mit Summen ab einer Million Euro haben sie ohnehin schon immer bekommen."

Die Nachfrage ist also hoch, obwohl die Konditionen für deutsche Kreditnehmer deutlich schlechter sind als für Österreicher. "Die Aufschläge auf den Ein-Monats-Libor liegen um die 1,625 Prozent, auch 2,5 Prozent sind möglich", meint Baufinanz-Experte Nagele, "Österreicher liegen hier durchschnittlich um die 1,35 Prozent." Gleich wie in Österreich ist der Wechsel der Kredite aus dem Yen: "Fast alle unsere Kreditnehmer sind aktuell im Schweizer Franken; wir wollen einen Anstieg des Yen abwarten, ehe wir wieder dorthin wechseln."

Inzwischen hat sich auch eine kleine Industrie rund um den Kredit selbst entwickelt. Die Baufinanz, seit 2002 eine GmbH, bietet auch Währungsmanagement an. "Das kostet 19,90 Euro im Monat, diese Beträge werden aber auf den Erfolg bei der Kreditreduktion, von dem wir 15 Prozent als Honorar bekommen, aufgerechnet. Durchschnittlich können wir die Kredite um fünf bis zwölf Prozent pro Jahr reduzieren - bei keinem unserer Kunden sind die Schulden gestiegen", freut sich Nagele. Zinsabsicherungen werden über Banken durchgeführt.

Die Fremdwährungsfinanzierung ist auch in Österreich noch immer die beliebteste Kreditform, wenn es um Immobilien-Finanzierungen geht: Rund 80 Prozent al- ler Immobilientransaktionen werden in Österreich nicht mehr in Euro, sondern in Yen und aktuell besonders in Schweizer Franken finanziert. (Reinhard Kremer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.2.2006)

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    Kredite in Yen und in Schweizer Franken sind beliebt. Jetzt entdecken immer mehr Deutsche diese billige Finanzierungsform.

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