Nicht jeder Investor ist eine "Heuschrecke"

22. März 2006, 16:08
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Private-Equity-Investoren beteiligen sich an Unternehmen mit dem Ziel, deren Wachstum zu fördern. Der spätere Ausstieg soll jedoch profitabel sein

Finanz-Investoren wurden zuletzt oft als "Heuschrecken" in Verruf gebracht. Frei nach dem Motto: Sie kaufen Betriebe billig auf, bauen Arbeitsplätze ab, filetieren das Unternehmen und profitieren am Verkauf der einzelnen Filetstücke. "Mit Private Equity hat das jedoch nichts zu tun", erklärt Thomas Jud, Geschäftsführer des Österreichischen Dachverbandes der Private Equity und Venture Capital Industrie - kurz Avco - im Gespräch mit dem STANDARD. Denn Private Equity-Investoren beteiligen sich an einem nicht börsennotierten Unternehmen, um dieses weiter zu entwickeln. Ziel ist es, die Unternehmen nach vier bis acht Jahren mit Gewinn an die Börse zu bringen (Exit) oder an ein anderes Unternehmen bzw. andere Investoren zu verkaufen.

Im Gegensatz zu Fremdmittelfinanciers nehmen Private-Equity-Investoren dadurch unmittelbar am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Portfoliounternehmen teil und sind daher auch bereit, hohe Finanzierungsrisiken zu tragen. Nicht selten bringen diese Investoren auch Know-how in das Unternehmen ein, um die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Beteiligungsunternehmen voranzutreiben.

Computer und Biotech

Die heimische Private Equity-Branche hat 2004 in Summe 140 Mio. Euro in Unternehmensbeteiligungen gesteckt. Im Jahr davor hat diese Summe 113 Mio. Euro betragen. Der größte Brocken davon, rund 30 Mio. Euro, ist Unternehmen im Bereich der Computer- und Informationstechnologie zugeflossen. Platz zwei mit 21 Mio. Euro belegt der Biotechnologie-Sektor.

Auch die durchgeführten Investitionen sind von 2003 (145 Investitionen) auf 2004 (178) gestiegen. "Die Daten für 2005 werden gerade recherchiert aber wir gehen davon aus, dass der Markt weiter wächst", erklärt Jud.

2005 war geprägt durch Exits. Zu den Paradebeispielen gehören das Biotech-Unternehmen Intercell, dass an die Börse gebracht wurde und inode. Der Internetprovider wurde an den Kabel-TV-Betreiber UPC verkauft.

In Österreich gibt es derzeit 28 Unternehmen, die Beteiligungskapital zur Verfügung stellen. Dazu gehören unter anderem:

  • Gamma Capital Partners,
  • Global Equity Partners,
  • Ecos Venture Capital und
  • Go Equity Beteiligung.
  • In Europa liege Österreich mit seinen Private-Equity-Aktivitäten im Mittelfeld, erklärt Jud. Durchgeführt werden mehrere kleinere Beteiligungen. "Die amerikanische Beteiligungsszene ist geprägt von wenigen, dafür aber sehr hohen Beteiligungen." Auch Microsoft, Apple oder etwa Cisco haben mit Beteiligungskapital begonnen.

    Auch Privat-Anleger können an diesen Finanzierungen partizipieren - durch das zeichnen eines Private-Equity-Fonds. Diese Fonds sammeln Geld von institutionellen Investoren und vom Privatanleger ein, um sich damit direkt als Eigenkapitalgeber an nicht börsennotierten Unternehmen zu beteiligen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.2.2006)

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