Mit dem Fahrrad nach Kyoto: Noch weit weg vom Klimaziel

12. Juli 2006, 14:34
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Der Treibhausgasausstoß war 2004 zwar leicht rückläufig, vom Kyoto-Ziel ist Österreich aber weit entfernt - die größten Dreckschleudern sind Straßenverkehr und Energieerzeugung

Wien - Die größten "Dreckschleudern" sind Straßenverkehr, Kleinverbrauch, Energieaufbringung und Industrie. In diesen Bereichen attestiert das Umweltbundesamt (UBA) signifikante Abweichungen von der Klimastrategie der Bundesregierung und empfiehlt "weitere Maßnahmen" zur Treibhausgasreduktion. Welche das - außer Radfahren - sein werden, ließ Umweltminister Josef Pröll bei Vorlage des "Kyoto-Fortschrittsberichts" am Mittwoch offen.

Fakt ist, dass Österreich von den im Kyoto-Protokoll fixierten Zielen weit entfernt ist. Zwar hat es 2004 einen leichten Rückgang der Treibhausgasemissionen um 1,2 Mio. Tonnen gegeben, das Kyoto-Ziel - die Reduktion des Treibhausgasausstoßes um 13 Prozent gegenüber 1990 - wurde im Jahr 2004 allerdings um 22,6 Mio. Tonnen verfehlt.

Insgesamt wurden in Österreich im Jahr 2004 Treibhausgase im Volumen von 91,3 Mio. Tonnen ausgestoßen - um 1,3 Prozent beziehungsweise 1,2 Mio. Tonnen weniger als im Jahr davor. Dieser Rückgang ist auf die Bereiche Raumwärme (minus 6,8 Prozent auf 14,74 Tonnen) und Energieaufbringung (minus 3,9 Prozent auf 15,62 Tonnen) zurückzuführen. Wesentlich dazu beigetragen haben laut Umweltbundesamt der Rückgang der Heizgradtage einerseits und der Anstieg der Biomasse im Brennstoffmix von 25 auf 27 Prozent. Außerdem ging der Erdölanteil um drei Prozent zurück, während Erdgas um ein Prozent zulegte. Den größten Brocken macht freilich Strom aus Wasserkraft aus, der die Emissionen in der Strom- und Wärmeproduktion um 4,6 Prozent verringerte.

Der größte Emissionsanstieg geht auf das Konto des Straßenverkehrs (plus 2,3 Prozent), während in der Industrie nur eine kleine Erhöhung (plus 0,1 Prozent) zu verzeichnen war. Zusammen verursachen Verkehr (23,87 Tonnen) und Industrie (23,84 Tonnen) fast die Hälfte des CO2-Ausstoßes. Gemessen am Kyoto-Basisjahr 1990 beträgt die Überschreitung 12,4 Mio. Tonnen.

Vom so genannten Kyoto-Zielpfad weicht Österreich laut Umweltbundesamt um 19,2 Prozent ab und liegt damit an drittletzter Stelle in der EU. Dahinter rangieren nur Finnland mit einem Plus von 21 Prozent (bei einem Reduktionsziel von null Prozent) und Spanien (mit plus 26,3 Prozent bei einem Ziel von 15 Prozent). An der Spitze liegt Luxemburg mit minus 8,6 Prozent bei einem Ziel von minus 28 Prozent. Der EU-Schnitt beträgt plus 1,9 Prozent.

Während SPÖ, Grüne und Umweltschutzorganisationen von einem Totalversagen beim Klimaschutz sprechen, sieht Pröll eine "Trendwende", weil Wirtschaftswachstum und CO2-Ausstoß entkoppelt wurden. Im Verkehr sei Österreich durch Tanktourismus sehr belastet. Zur Bewusstseinsbildung kündigte er eine Fahrradkampagne an. (ung/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. 2. 2006)

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    Umweltminister Josef Pröll

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