Räte sauer über Postenkarussell

27. März 2006, 15:51
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Vorstandssuche für Güterverkehr und Betrieb AG ohne Aufsichtsratsbeschlüsse

Wien - Säuerliche Mienen und noch säuerlichere Kommentare verursacht die am Wochenende überraschend gestartete Suche nach drei Vorständen für die operativen ÖBB-Gesellschaften bei diversen Kapitalvertretern in diversen Aufsichtsräten. "Es gab keine Beschlüsse im Aufsichtsrat", sagt ein Kapitalvertreter der Rail Cargo Austria (RCA) hörbar genervt zum STANDARD. Über die Ausschreibung habe man aus der Zeitung erfahren.

So schnell wird es einen Beschluss auch nicht geben, denn die nächste Sitzung des ÖBB-Güterverkehr-Kontrollgremiums findet erst am 19. April statt - just einen Tag vor Ende der Ausschreibungsfrist.

Optisch nicht schön

ÖBB-Holding-Chef Martin Huber, selbst nicht Mitglied des RCA-Aufsichtsrats, räumt im STANDARD-Gespräch ein, dass die Sache optisch nicht besonders schön sei. Er brauche laut Aktienrecht aber gar keinen Beschluss für die Vorstandssuche. Außerdem sei ein Teil der RCA-Aufsichtsratsmitglieder zugleich im Holding-Aufsichtsrat, also über die Vorgänge informiert. Dort sei alles ausführlich beraten worden. Und: Bis zur Bestellung - sie soll Mitte Juni erfolgen - werde es den Beschluss "sicher geben".

Außerordentliche Sitzung

Nicht befasst wurde mit der Causa Vorstandssuche bis dato auch der Aufsichtsrat der Infrastruktur Betrieb AG. Das soll sich morgen, Freitag, ändern, weil Aufsichtsratspräsident Martin Huber auf Drängen der Arbeitnehmervertreter eilig eine außerordentliche Sitzung einberufen hat. So sich Vorstandsmitglied Alfred Zimmermann - er sitzt interimistisch in Personalunion sowohl in der Chefetage der Bau als auch der Betrieb AG - für den Bau-Vorstandsposten bewirbt, will Huber ehebaldigst nachbesetzen. Denn laut Satzung darf Peter Klugar nicht als Alleinvorstand wirken. Bewirbt sich Zimmermann wider Erwarten doch nicht, ist die "Sicherheitsausschreibung" für die Betrieb AG erledigt und es braucht dringend einen Bahnbauexperten für die Bau AG. "Ich wollte auf "Nummer sicher" gehen und keinesfalls ohne Vorstand dastehen", begründet Huber die Eile. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.2.2006)

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