
Eine Szene aus "Bei Schüssels" im Rabenhoftheater
Wien – Wie es Bei Schüssels zugeht, ist schnell erzählt: Gigi macht Yoga und einen Aufstand, wenn ihr furzender Wolfi einen Boogie klimpert. Sie nennt ihn Zwerg, weil er gegen eine Familienaufstellung ist. Aber ob sie mit dem Andreas, der am Klo hockt, etwas hat, bleibt ungeklärt.
Die Nina Blum wird nur erwähnt, auch Sohn Daniel fehlt im trauten Heim. Der KHG jedoch kommt beichten, weil er in Brüssel einer Superreichensteuer zustimmte, die der Silvio nicht akzeptieren kann: Berlusconi taucht als Mafiapate bei Schüssels auf – und tauscht nebenbei Tirol gegen die Insel Lampedusa ein.
Überhaupt: Das Schlüssellochdrama von Peter Hörmanseder, der mit seinen beiden maschek-Kollegen das niedliche Puppenspiel im Rabenhof live synchronisiert, verhandelt eher große Politik denn innenpolitische Stricklieslgeschichten. Denn im kleinbürgerlichen Wohnzimmer des Kanzlers, von Erich Sperger liebevoll eingerichtet, geben sich Europas Mächtige die Klinke in die Hand.
Der dadurch geadelte Wolfi steigt, auch wenn er die Merkel für eine polnische Putzfrau hält, eigentlich gut aus. Zu gut sogar: Bei Schüssels liefert den schlagenden Beweis, dass der Kanzler Recht hat, wenn er schweigt. Denn jeder Konfliktpartner, egal ob Gigi oder Khol, zerbricht daran.
Auch der von Neid erfüllte, wegen seines Unvermögens flennende Gusi: Mit versteckter Kamera unter der Pelzmütze war er in die Wohnung eingedrungen, um sich Infos für den Wahlkampf zu verschaffen. Doch Überraschungsgast Wladimir hält den patscherten Lügner und dreisten Dieb für einen Terroristen. Und so ist Gusi auf die Hilfe des Kanzlers angewiesen, der Putin vom Abmurksen abhält: "Das ist mein Oppositionsführer! Den brauch ich noch!"
Diese Szene – Gusi, das Krokodil, versucht sich immer wieder zwischen Putin und Schüssel zu drängen und wird von beiden nebenbei ganz furchtbar abgewatscht – ist sicher der Höhepunkt der Politsatire: Auch wenn Regisseur Thomas Gratzer mit viel videotechnischem Aufwand Frank-Castorf-Theater im Mikroformat versucht, trägt der Plot keine 90 Minuten.
Viele Gags sind plump (Seipel will Gigis Opernballkleid als Vogelscheuche zur Bewachung der Saliera ankaufen) oder haben einen Bart. Die grandios gelungenen Puppen aber, angefertigt von AnaMaria Heigl nach Entwürfen von Gerhard Haderer, entschädigen für die Leerläufe. Und auch bei Wolfis Diashow – Putin winselt um Gnade – muss man lachen: Die Zeichnungen des Karikaturisten brauchen eben keinen Kommentar. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.2.2006)
das hier unter der masche eines karikaturtheaters die wahlwerbung für schüssel versteckt ist
was ich gelesen habe, scheint es der wahlwerbunglinie der övp sehr ähnlich, die alles daran setzt, innenpolitisches zu verschweigen, schüssel als einen staatsmann von weltordnung, der sich mit den grossen durchaus vergleichen kann zu positionieren, sowie den gusenbauer, der ja der direkte konkurent schüssels ist als einen dummen kommunistischen krokodilen (menschenfresser) darzustellen
ausserdem mit dem furzen etc. wird der schüssel als volksnahe dargestellt, was er aber überhaupt nicht ist, er hat nur seine macht im kopf....
www.ctv-net.org schauen!
leider. so sehr ich mich auf diesen theaterabend gefreut hatte, die vorschusslorbeeren waren schnell aufgebraucht. eine lose folge von pointen, vor denen ein jeder witz in deckung geht. gut, manchmal muss man dann schon auch lachen, aber da würde man mehr erwarten. einzig die puppen waren wirklich sehr gut. abgesehen davon, dass sie eben kasperlpuppen sind. die nun mal abgesehen vom puppenkopf nicht viel mehr hergeben als einen toten stofffetzenkörper.
ich hätte mir mehr tiefgang erwartet. da zeigt sich mal wieder, dass erfolg zu zeitdruck führt und qualität unter jenem leidet... schade!
Also, da gebrichts im post ein bisserl an der Logik:
Wen Sie ein fertiges pesto (im Glasl, pasteurisiert, oder im Plastiktegerl vom Italiener) hatten, das halt leider verschümpelt war, konnten Sie es sich eh nicht "machen".
Wenn Sie sich frisches Basilikum, Knofel, Pecorino/Parmigiano, Pignoli, Olivenöl zusammengemixt haben, könnte ich es nur Ihrer hofrätlichen Gemessenheit beim Führen des Stößels zuschrieben, daß Ihnen das Sosserl noch im Mörser derfäult is.
Außer natürlich, SBO kann hechsen.
das video gibts zum gratis download!
http://www.maschek.org/media/vid... rogen.html
Wahlkampf machen Parteien oder von Parteien eigens dafuer angestellte Personen. Beides ist bei Hörmanseder nicht der Fall. Auch Sie koennen hier ja politischen Unsinn posten soviel Sie wollen ohne dass Sie jemand des unfairen Wahlkampfes beschuldigt.
Für politischen Unsinn sind wohl Sie zuständig. Natürlich wird der Cap oder der Pilz nicht die Puppen bewegen. Wer es macht, ist wohl egal. Es ist jedenfalls ein Beitrag zum Wahlkampf oder glauben Sie an einen Zufall, dass das großartige Stück gerade jetzt gegeben wird?
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