"Wir liegen auf der Lauer"

30. März 2006, 13:53
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Niki Lauda will das von der AUA verschmähte Chartergeschäft über­nehmen - Im STANDARD-Gespräch erzählt er, welche Probleme auf den neuen AUA-Chef warten

STANDARD Die AUA bekommt mit Alfred Ötsch einen neuen Chef, was halten Sie von ihm?

Lauda: Was ich in den Medien gelesen habe, bekommt der Mann beste Kritiken und hat hervorragende Qualitäten. Ich denke, seine Generalprobe wird sein, wie er die von seinen Vorgängern abgeschlossenen Kollektiverträge bei den Piloten neu verhandelt. Das meiste Fett hängt in der Luft, wo man abspecken muss.

STANDARD Wird Niki Flüge ab Bratislava anbieten?

Lauda: Ich erwarte heuer insgesamt 1,2 Millionen Passagiere, meine Passagierströme sind in Wien gemeinsam mit Air Berlin. Was soll ich in Bratislava? Die Flugpreise sind hier wie in Bratislava dieselben.

STANDARD Wie entwickelt sich ihr Geschäft im Vorjahr?

Lauda: Das vergangene Jahr wird trotz der hohen Treibstoffpreise positiv ausgehen. Im März wird unsere Bilanz fertig sein. Unsere Strecken nach Zürich gegen die Swiss und die AUA, aber auch nach Paris, Rom, Nürnberg, London und täglich über Palma nach Lissabon entwickeln sich absolut positiv. Wir bieten das ganze spanische Festland über das Air-Berlin-Drehkreuz Palma zudem auch ab Salzburg an und eröffnen Ende April in Linz eine neue Basis.

STANDARD Macht es aus ihrer Sicht noch Sinn, dass die AUA den Namen Lauda Air benutzt?

Lauda: Ich ärgere mich nicht über Dinge, die ich nicht ändern kann. Bei der Gründung der Lauda Air war ich zu blöd, mir zu sichern, wenn kein Lauda mehr dabei ist, dass der Name Lauda Air weg ist und nicht wieder zurückkommt. Aber was die AUA mit Lauda Air macht, ist ja nicht mehr das Konzept von früher. Wenn ich mir heute eine Lauda Air Boeing 777 in diesem neuen Fleckerlteppichinterieur ansehe, dann zeigt dies eine Konzeptlosigkeit. Diese bunten Farben in der Passagierkabine sorgen für Unruhe. Jeder De^signer weiß, dass Farben an Bord harmonisch zusammenpassen müssen. Oder: Auf den mit Boeing geflogenen AUA- Routen gibt es Essen von Do&Co und auf den Airbus- Strecken gibt es die Airest. Das verwirrt den Kunden. Aber die Leute lassen sich ja nicht veräppeln und wissen, dass da nicht mehr der Lauda drin ist. Und weil dieses Paket von früher nicht mehr stimmt, kommen die Kunden zu Niki zurück.

STANDARD Blicken Sie auf das Chartergeschäft der AUA?

Lauda: Wir liegen auf der Lauer. Die AUA hat den heimischen Chartermarkt vernachlässigt. Wir bereiten uns schon intensiv für den Winter 2006/ 07 vor, um unsere Charteraktivitäten aufzustocken und dann den Reiseveranstaltern anzubieten.

STANDARD Ist Nikis Kostenstruktur in Ordnung?

Lauda: Im Büro arbeiten lediglich 17 Leute. Wir haben hier praktisch keinen Overhead. Unser Vertrieb ist an Air Berlin gekoppelt, also keinerlei Investitionen dieser Art. So gesehen senken in diesen Bereichen all die großen Airlines ihre Kosten, und ich habe keine. Es gibt auch kein Gejammer. Meine 56 Piloten arbeiten nach dem System: mehr fliegen, mehr verdienen. Aber alle fliegen im gesetzlichen Limit von 900 Stunden im Jahr. Und somit spare ich mir Crews. Wenn wir einen Kollektivvertrag hätten wie bei der AUA, würden es vielleicht 760 Stunden sein.

STANDARD Sie haben mit Otmar Lenz, Hannes Rausch und Attila Dogudan die ursprüngliche Lauda Air Truppe an Bord. Was planen Sie?

Lauda: Der springende Punkt ist, dass wir nun alle fünf neuen Airbusse A320 gegen die gemieteten Maschinen austauschen. Im April bekommen wir unser drittes neues Flugzeug, im September und Oktober jeweils einen weiteren A320. Vier Flugzeuge werden im Finance-Lease finanziert, die uns dann nach zwölf Jahren gehören. Mich macht das Vertrauen der Bankenwelt in unsere junge Airline stolz. Wohl auch ein Indiz für die Low-Cost-Airline-Allianz Niki/Air Berlin, so etwas hat es in der Airlinebranche vorher noch nicht gegeben.

STANDARD Es gibt weltweit 900 Fluglinien. Wer benötigt da eine kleine Airline wie Niki? Es ist mittlerweile ihre vierte Fluglinie die sie gegründet haben.

Lauda: Nun, Fehler haben wir sicher genügend gemacht. Aber dafür habe ich jetzt einen Erfahrungsschatz. Es ist ein Verdrängungswettbewerb. Preis und Produkt müssen stimmen, der Markt wird entscheiden. Unsere Billigfluggeschichte ist Service, ohne Mehrkosten zu bieten. Es ist ein sexy Business und wir brauchen uns nicht genieren. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.2.2006)

Zur Person

Ex-Formel-1-Weltmeister Niki Lauda kooperiert mit seiner jetzigen Airline Niki seit 2004 mit Air Berlin. Das sichert ihm den Zugang zu 13 Millionen Passagieren. Air Berlin hält 24 Prozent an Niki.
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    Lauda: Die AUA hat den heimischen Chartermarkt vernachlässigt. Wir bereiten uns schon intensiv für den Winter 2006/ 07 vor, um unsere Charteraktivitäten aufzustocken und dann den Reiseveranstaltern anzubieten.

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