Inselstaat Tuvalu: Diskussionen um Evakuierung

12. Juli 2006, 14:34
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Wohin mit 9.000 Menschen und einem Staat, dem der steigende Meeresspiegel zusetzt?

Melbourne/Suva - In 30 Jahren werden bei gleich bleibender globaler Erwärmung die ersten flachen Korallenatolle unbewohnbar sein. Die daher notwendige Umsiedelung wird kein einfaches Unterfangen werden. Zwar hat Tuvalus Premierminister Maatia Toafa gemeint, dass es keine Priorität zur Evakuierung gebe - der Wissenschaftler Don Kennedy hingegen sieht die Notwendigkeit des Umschauens nach einer neuen Heimat der 9.000 Insulaner als "sehr wesentlich" an, berichtet das "Pacific Magazine".

"Ich glaube nicht, dass es in 30 Jahren so weit ist", erklärte Toafa gegenüber Radio New Zealand International. "Wir werden Land in Neuseeland oder Australien kaufen", so der Regierungschef. Tatsächlich hat die Regierung des Zwergstaates schon vor einigen Jahren damit gerechnet, irgendwann in Zukunft umsiedeln zu müssen.

Neue Inselheimat?

"Wenn die Kultur des polynesischen Inselstaates weiterleben soll, müssen die 9.000 Tuvaluer gemeinsam auf eine Insel ziehen", erklärte hingegen Kennedy bei einem Kongress zum Thema "Klimaflüchtlinge". Optimal sei die Fidschi-Insel Kioa. Das Auswandern nach Kioa koste aber sehr viel Geld, hält Toafa gegenüber Radio New Zealand International dagegen. Schließlich müsse diese Insel erst für eine derart große Anzahl von Menschen adaptiert werden.

Mit herber Kritik reagierten politische Parteien in Fidschi auf den Vorschlag von Kennedy. "Wenn 9.000 Menschen auf eine Insel gebracht werden, bedeutet das auch für die lokale Bevölkerung eine ziemliche Belastung. Das betrifft vor allem das Schulwesen, medizinische Services, die Energieerzeugung und die gesamte Versorgungsinfrastruktur", so Mick Beddeos, Präsident der United People's Party in Fidschi. Die Kosten sollten von allen pazifischen Nationen und auch von denen, die am meisten zur globalen Erwärmung beitragen, getragen werden.

Kopf in den (schwindenden) Sand

"Wir können nicht die Augen vor der Realität verschließen und ignorieren, dass unser Volk bald die gesamte Lebensgrundlage verlieren wird", kritisiert Kennedy die Argumente des Premier-Ministers. "Wir müssen handeln, bevor die Inseln unter Wasser stehen", so Kennedy bei dem von der Umweltorganisation "Friends of the Earth" veranstalteten Forum. Die Tuvaluer treffe keine Schuld an der Katastrophe, räumte der Wissenschaftler ein.

Tuvalu mit seinen neun Atollen ist mit einer gesamten Landfläche von 26 Quadratkilometer eines der kleinsten Länder der Welt. Die Inseln liegen etwa 1.000 Kilometer nördlich von Fidschi und erheben sich nur knapp vier Meter über dem Meeresspiegel. (pte)

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    Selbst-Repräsentation Tuvalus per Briefmarkenidyll

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