Zwist zwischen Berlusconi und Prodi wegen Kinderbonus

2. März 2006, 15:54
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Opposition lockt mit 2.500 Euro für Kinder bis drei Jahre

Rom - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi und sein Herausforderer bei den Parlamentswahlen am 9. April, Romano Prodi, setzen auf Familienpolitik, um die Gunst der Wählerschaft zu gewinnen. Hatte Berlusconi vor drei Wochen angekündigt, 1.000 Euro für jedes im Jahr 2005 geborene Kind zahlen, so reagiert Prodi mit einer neuen Initiative. Für Kinder bis zu drei Jahren will er 2.500 Euro zahlen, sollte er die Parlamentswahlen gewinnen, kündigte der Oppositionschef an.

Prodi versicherte, die Oppositio werden in den nächsten Jahren 3.000 Kindergärten im ganzen Land für insgesamt 100.000 Kinder bauen. "Wir wollen konkret eine neue Phase sozialer Politik in die Wege leiten, in der die Familie im Mittelpunkt steht", betonte Prodi. Der Kinderbonus werde im ersten Jahr 800 Millionen Euro kosten, in den darauffolgenden Jahre werde diese Ausgabe um 270 Millionen Euro wachsen, so Prodi.

"Reine Wahlpropaganda"

Seine Worte wurden von der Regierungskoalition als "reine Wahlpropaganda" scharf angegriffen. Angesichts des hohen Defizits könne sich keine Regierung eine derart kostspielige Familienpolitik leisten, kommentierte der italienische Kammerpräsidnet Pier Ferdinando Casini.

Italien hat die niedrigste Geburtenrate in Europa. Jede Frau bekommt - freilich nur im statistischen Mittel - 1,1 Kinder. Seit Mitte der siebziger Jahre ist die Geburtenrate in Italien rückläufig. Italien ist weltweit das Land mit der ältesten Bevölkerung. 18,2 Prozent der Italiener sind älter als 65 Jahre. Die Italiener führen somit vor den Griechen und den Schweden die Liste der "langlebigsten" Bevölkerung an.

Diese Entwicklung in Italien gibt Wissenschaftlern Anlass zur Sorge. Künftige Generationen werden mehr "Versorgungslasten" für die ältere Generation zu tragen haben, betonten italienische Experten. Sie bangen vor allem um die Zukunft des italienischen Pensionssystems. (APA)

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