Deutsche Börse mit neuem Fusionsanlauf

3. März 2006, 14:23
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Nach den gescheiterten Fusionsversuchen mit der Londoner Stock Exchange neuer Anlauf zur Gründung einer europäischen Superbörse

Frankfurt - Nach den gescheiterten Fusionsversuchen mit der Londoner Stock Exchange nimmt die Deutsche Börse einen neuen Anlauf zur Gründung einer europäischen Superbörse - dieses Mal mit Euronext. "Unter einer Vielzahl relevanter Optionen ist ein Zusammenschluss von Deutscher Börse und Euronext die mit Abstand attraktivste Lösung für unsere Kunden, Aktionäre wie auch die beteiligten Finanzplätze", erklärte Vorstandschef Reto Francioni am Mittwoch.

Die Euronext hat unterdessen reserviert auf den Vorstoß der Deutschen Börse in Richtung einer Fusion der beiden Marktbetreiber reagiert.

Der Vorschlag von Börsenchef Reto Francioni einer "Fusion unter Partnern" müsse genau geprüft werden, sagte der Sprecher der Vierländerbörse, Kevin Byram, am Mittwoch. Die Euronext bestehe auf einem neutralen Standort für die Hauptverwaltung einer gemeinsamen Börsenorganisation. Unter anderem an diesem Punkt waren Gespräche der beiden Konkurrenten im Dezember gescheitert.

Der Euronext-Sprecher sagte, die unterschiedlichen Ansichten über weitere zentrale Fragen einer Kooperation oder Fusion bestünden weiter. Allerdings sei die Euronext jederzeit offen für Gespräche mit der Deutschen Börse und wolle mittelfristig einer Konsolidierung der zersplitterten Branche in Europa auch nicht im Wege stehen.

Europaweite Börsenorganisation

Durch einen Zusammenschluss mit der Vier-Länder-Börse würde die "erste wirklich europaweite Börsenorganisation geschaffen, die eine globalen Führungsanspruch erheben kann", sagte der Vorstandschef, der vergangenes Jahr sein Amt angetreten hatte. Die kombinierte Gruppe wäre im Kassamarkthandel die Nummer 1 in Europa und Nummer 3 weltweit. Francioni betonte aber auch, bisher seien mit Euronext Gespräche, aber noch keine Verhandlungen geführt worden.

In der letzten Zeit hatten bereits Gerüchte die Runde gemacht, Hedgefonds um den britischen Fonds TCI, die 2005 einen Zusammenschluss von Deutscher Börse und London Stock Exchange verhindert hatten, befürworteten eine Fusion der Frankfurter mit Euronext. Die Fonds sind an beiden Börsenunternehmen beteiligt.

Francioni erklärte, Organisation und Struktur einer europaweiten Börsengruppe müssten die Interessen der jeweiligen Finanzplätze berücksichtigen und gleichzeitig effizient und klar sein. "Die Leitung der Geschäftsbereiche der kombinierten Gruppe sollte so auf die bestehenden Standorte von Deutscher Börse und Euronext verteilt werden, dass es im Rahmen eines europäischen Standortkonzepts zu einem fairen Ausgleich zwischen den beteiligten Finanzzentren kommt", betonte er. Sitz der Hauptverwaltung mit den Zentralfunktionen der Gruppe sollte nach Vorstellung der Deutschen Börse Frankfurt sein. Für die Kassamärkte sind nationale Trägergesellschaften vorgesehen.

Konsolidierung der Börsenlandschaft

Die deutsche Börse wolle die Konsolidierung der Börsenlandschaft pragmatisch angehen, ohne wesentliche Bestandteile des Geschäfts aufzugeben. "Wir laden insbesondere Euronext und andere mögliche Partner ein, den Dialog mit dem Ziel einer europäischen Börsenkonsolidierung fortzuführen. Ich bin überzeugt, dass gute Lösungen zu erreichen sind, wenn ich auch hier und heute keine zeitliche Prognose abgeben werde", sagte Francioni.

Zugleich präsentierte er für das abgelaufene Geschäftsjahr das beste Ergebnis in der Geschichte der Deutschen Börse. Der Umsatz stieg nach vorläufigen Zahlen um 13 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen verbesserte sich um 35 Prozent auf 710,9 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss legte um satte 61 Prozent auf 427,4 Millionen Euro zu. Die Dividende soll auf 2,10 Euro je Aktie verdreifacht werden. Auch in das neue Jahr sei das Unternehmen erfolgreich gestartet, betonte Finanzvorstand Mathias Hlubek. Gemessen an Umsatz und Ertrag sei die Deutsche Börse die mit Abstand Börsengesellschaft der Welt. (APA/Reuters/AP)

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