Experte: Reduktion der Ausgleichsquote auf 30 Prozent vorstellbar

7. März 2006, 18:25
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Pleitenfonds soll wieder stärker in die Sanierung eingebunden werden

Wien - In der Diskussion um eine Reform des heimischen Insolvenzrechts kann sich der Insolvenz-Experte im Kreditschutzverband von 1870 (KSV), Hans-Georg Kantner, eine Senkung der Ausgleichsquote von derzeit 40 auf 30 Prozent vorstellen. Dies würde den Ausgleich als Sanierungsinstrument wieder attraktiver machen. Derzeit münden rund 35 Prozent der Konkurse in einen Zwangsausgleich mit einer Quote von 20 Prozent.

Eine Angleichung beider Verfahren hält Kantner nicht für sinnvoll, da es sich dabei um unterschiedliche Verfahren handelt. Der Zwangsausgleich kann nur aus dem Konkurs heraus abgewickelt werden, wobei der Unternehmer im Konkurs an den Masseverwalter übergeben muss.

Kritik an Höhe der Quote

Bei einem Ausgleich bleibt der Unternehmer nach wie vor im Amt, ihm wird nur ein Ausgleichsverwalter zur Seite gestellt. Seinen Gläubigern muss er innerhalb von zwei Jahren eine Quote von mindestens 40 Prozent zahlen. Wenn der Ausgleich nicht innerhalb von 90 Tagen angenommen wird, wird das Verfahren eingestellt. Kritik kam wiederholt an der 40-Prozent-Quote im Ausgleich. Diese sei zu hoch und stehe einer Sanierung im Wege.

Sanierung im Vordergrund

Grundsätzlich, so Kantner, müsse die Sanierung bei Insolvenzverfahren im Vordergrund stehen, aber: "Ich kann jedes Unternehmen sanieren, aber nicht alle." Dies sei auch nicht sinnvoll. Die Wirtschaft verlange, dass ein Unternehmen ohne echte Sanierungsvoraussetzungen den Markt wieder verlässt. Bei einer Sanierung müsse ein Neubeginn glaubhaft gemacht werden.

Für die Zukunft der Insolvenzverfahren wünscht sich Kantner auch eine stärkere Einbindung des Pleitenfonds (IAG-Fonds). Der Fonds kommt nur im Konkursfall für Mitarbeiterforderungen bis zu 6 Monate vor Insolvenzeröffnung auf. Bei einem Ausgleich springt der Fonds seit 1997 nicht mehr ein. Diese Regelung sollte man zurücknehmen, so Kantner. Es wäre besser, auch bei einem Ausgleich zu zahlen statt arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zu finanzieren.

Konkurs als Chance

Zu allererst seien aber die Unternehmer aufgerufen, bei Schwierigkeiten rechtzeitig zu handeln und nicht zu warten, bis es zu spät ist. Auch der Konkurs könne eine "Mordschance" für einen Neuanfang sein.

Im Vorjahr mussten 7.056 Unternehmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten, davon 3.165 Konkurse und Anschlusskonkurse und 3.853 Fälle mangels Masse abgewiesene Konkurse. Über die aktuelle Insolvenzentwicklung wollte Kantner derzeit noch keine Prognose abgeben. Er wolle erst die Entwicklung ersten Quartal abwarten. Im vergangenen Dezember ging er von einer Stagnation auf hohem Niveau aus. (APA)

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