"Happy Slapping": Gewaltvideo-Dreh forderte in Wels einen Verletzten

1. März 2006, 10:10
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Jugendliche filmten gestellte Rauferei mit dem Handy - "Opfer" ging bewusstlos zu Boden

Das so genannte Happy Slapping ("fröhliches Schlagen") dürfte nun auch den Weg nach Österreich gefunden haben. In Wels hat die Polizei am Dienstag fünf Jugendliche dabei überrascht, wie sie mit dem Handy eine gestellte Rauferei aufnahmen. Das "Opfer" ging bei der Aktion bewusstlos zu Boden und musste ins Krankenhaus. In Großbritannien und Deutschland werden bereits seit längerem echte Schlägereien und Überfälle mit dem Mobiltelefon aufgenommen.

Schlechter Scherz

Die Beamten wurden zu einer Schlägerei zwischen fünf Jugendlichen gerufen, teilte die Polizei Wels am Mittwoch in einer Presseaussendung mit. Die 15- und 16-jährigen Burschen hatten einen von ihnen mit Klebeband an den Händen gefesselt und traktierten ihn mit Schlägen. Die ganze Szene filmten sie mit dem Handy. Was zunächst wie eine Schlägerei aussah, entpuppte sich dann aber als schlechter Scherz. Die Prügelei war nur gestellt.

Panik

Das "Opfer" verlor jedoch während der "Dreharbeiten" das Bewusstsein und fiel zu Boden. Die Beamten führen das aber auf die Fesseln und nicht auf die Schläge zurück. Der Bursch habe zudem möglicherweise panisch reagiert, erklärte ein Polizist im Gespräch mit der APA. Er musste ins Klinikum Wels eingeliefert werden.

Anzeige

Die Staatsanwaltschaft wird wegen des Vorfalls Anzeige erstatten. Bei weiteren Ermittlungen stellte die Polizei fest, dass auf den Handys einiger Beteiligten bereits ein ähnliches Video gespeichert war. Dabei handelt es sich aber allem Anschein nach um eine "Spaßrauferei", bei der niemand verletzt worden ist.

Ahnungslose Passanten

In Großbritannien und Deutschland ist "Happy Slapping" bereits seit längerem bekannt. Der "Trend" begann in Schulen. Gewalttätige Jugendliche verprügeln Schwächere, filmen das Ganze mit dem Handy und verschicken die Bilder an Freunde oder stellen sie ins Internet. Mittlerweile haben sich die Jugendbanden andere Opfer gesucht. Sie verprügeln ahnungslose Passanten, meist in Parks, von wo sie anschließend leichter flüchten können. Nach solchen "Dokumentarfilmen" - so die Bezeichnung, die ein Beschuldigter in Großbritannien für die Videos benutzte - waren auch bereits Tote zu beklagen.(APA)

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