Italien steigt in die Energieschlacht ein

27. März 2006, 14:48
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Der italienische Enel-Konzern stellt sich im Übernahmekampf um die spanische Endesa gegen die deutsche E.on - Spanien will auf Vetorecht verzichten

Rom/Düsseldorf/Madrid – Im Rennen um den spanischen Versorger Endesa könnte der deutsche Energieriese E.on Konkurrenz aus Italien bekommen. Der italienische Konzern Enel sei bereit, sich hinter ein neues Angebot der spanischen Gas Natural für Endesa zu stellen, sagte Enel-Chef Fulvio Conti am Mittwoch. Enel sei genauso wie E.on an internationalem Wachstum interessiert und wolle sich dazu bietende Chancen nutzen. Bei einer Endesa- Übernahme sei Enel an Betriebsteilen interessiert, die Gas Natural dann verkaufen könnte.

Gas Natural hatte in einem feindlichen Übernahmeversuch im vergangenen September 22,7 Mrd. Euro für Endesa geboten. E.on hatte das Offert am Dienstag um fast sieben Mrd. Euro überboten.

Trotzdem hatte Endesa, die sich in der Vergangenheit vehement gegen eine Übernahme durch Gas Natural gewehrt hatte, das von dem Düsseldorfer Konzern vorgelegte Angebot als nicht angemessen bezeichnet und einen höheren Preis verlangt. Positiv zu vermerken sei aber, dass E.on für den Fall einer Übernahme zugesichert habe, keine Vermögensteile zu verkaufen, fügte Endesa hinzu.

E.on bleibt bei 29 Milliarden

Der E.on-Konzern signalisierte trotz der Kritik, das 29,1 Mrd. Euro schwere Angebot nicht erhöhen zu wollen. E.on sei unverändert davon überzeugt, ein attraktives Angebot vorgelegt zu haben, bekräftigte ein Sprecher in Düsseldorf. Das Angebot sei wegweisend für die Integration der europäischen Energiemärkte und komme den spanischen Verbrauchern zugute. Es richte sich nicht gegen die spanische Regierung. "Diese Transaktion bringt nicht nur E.on in eine neue Dimension. Auch für Endesa und ihre Mitarbeiter bietet sie entscheidende Vorteile", sagte E.on-Chef Wulf Bernotat.

E.on will mit der Übernahme des spanischen Konkurrenten an die Weltspitze der Strom- und Gasversorger rücken. Dagegen könnte aber die spanische Regierung Front machen. Ministerpräsident Jose Luis Rodrí^guez Zapatero habe E.on bereits darüber informiert, dass er eine Übernahme von Endesa durch Deutschlands größten Energiekonzern ablehne, berichtete die Tageszeitung El País. Die Regierung in Madrid suche nach rechtlichen Möglichkeiten, um das Geschäft zu verhindern und hätte dafür dank ihrer "goldenen Aktie" ein Vetorecht.

Aber Zapatero fügte am Dienstag hinzu, dass seine Regierung höchstwahrscheinlich von diesem Recht nicht Gebrauch machen werde. Er wolle dieses Mittel nur unter "absolut außergewöhnlichen Umständen" nutzen. Spanien müsse bei der Bewertung des Angebots die Regeln der Marktwirtschaft, die Rechte der Verbraucher und die Interessen des Landes in den Vordergrund stellen, betonte er. Die EU-Kommission forderte die Regierung in Madrid auf, auf den Einsatz der "goldenen Aktie" zu verzichten. Dieses Mittel soll ohnehin europaweit in den kommenden Jahren abgeschafft werden.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Zapatero vorab über das E.on-Angebot informiert. Wirtschaftsminister Michael Glos dagegen sagte, es sei "sicher kein Nachteil", wenn ein so großer Energiekonzern seinen Sitz in Deutschland habe. Für Spaniens Regierung würde der E.on-Vorstoß das Ende der Pläne bedeuten, einen großen nationalen Energieversorger zu schmieden.

Weitere Konzentration

Bernotat selbst hatte jüngst in einem Zeitungsinterview gesagt, er rechne mit einer weiteren Konzentration im Energiesektor, bei der es nur eine kleine Gruppe von Unternehmen geben werde, die europaweit eine Rolle spielen würden. Dazu hatte er ausdrücklich auch die Enel gezählt. Deren Chef Conti bekräftigte, Enel sei auch am Einstieg bei der belgischen Electrabel interessiert. Dies schließe ein mögliches Angebot für den Electrabel-Mutterkonzern Suez nicht aus.

E.on und Endesa verfügen zusammen über 50 Mio. Kunden in 30 Ländern in Europa, Nord- und Südamerika. Durch eine Fusion entstünde ein Energieriese mit mehr als 107.000 Beschäftigten, der mehr als 600 Mrd. Kilowattstunden Strom und gut 940 Mrd. Kilowattstunden Gas verkauft. Der Gesamtjahresumsatz beliefe sich auf knapp 65 Mrd. Euro. (Reuters, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe 23.2.2006)

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