Innsbrucker Forscher klärt medizinhistorischen Irrtum

27. Februar 2006, 14:47
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Bekanntes Verfahren zur Erzeugung von Bluthochdruck war bereits zuvor von anderem Wissenschafter entdeckt worden

Innsbruck - Einen medizinhistorischen Irrtum hat nun ein Innsbrucker Forscher aufgedeckt. Er fand heraus, dass das 1934 veröffentlichte bedeutende Verfahren zur Erzeugung von Bluthochdruck bereits zuvor von einem anderen Wissenschafter entdeckt worden war.

Der Mediziner Bernhard Glodny hat aufgedeckt, dass der Forscher Johann Lösch (geb. 1897) dieses Verfahren schon sehr viel früher entdeckt und auch veröffentlicht hatte. Von der wissenschaftlichen Gemeinschaft wurde seine Leistung bisher aber nicht wahrgenommen. Die damals gewonnenen Erkenntnisse legten den Grundstein für die noch heute angewendeten Therapien bei Bluthochdruck und Herzinsuffizienz.

Einer der meistzitierten Beiträge der Medizingeschichte

Im Jahr 1934 veröffentlichte der Amerikaner Harry Goldblatt (1891 - 1977) gemeinsam mit Kollegen einen wissenschaftlichen Beitrag in der angesehenen Zeitschrift "Journal of Experimental Medicine". Darin wurde über ein Verfahren zur künstlichen Erzeugung von Bluthochdruck durch das Verengen der Nierenarterien berichtet.

"Dieser Artikel zählt zu den meistzitierten Beiträgen in der Medizingeschichte und war Auslöser einen ganzen Lawine von Forschungsarbeiten über den Bluthochdruck", erklärte Bernhard Glodny. "Goldblatts Name ist bis heute mit diesen Entwicklungen aufs Engste verbunden."

Lösch studierte an der Deutschen Universität Prag und emigrierte 1924 in die USA. In New York nahm er seine Forschungen zum Bluthochdruck auf und veröffentlichte schon 1927 erste Ergebnisse dazu. 1933 erschien der Beitrag im Zentralblatt für Innere Medizin, in dem Lösch demonstrierte, wie sich durch die Drosselung der Blutzufuhr in den Nierenarterien bei Hunden ein künstlicher Bluthochdruck erzeugen lässt.

Damit stand erstmals ein stabiles Modell für die Hochdruckforschung zur Verfügung. Auch stützte das Experiment die Vermutung, dass die Funktion der Niere ursächlich mit dem Bluthochdruck zusammenhängt. Dies führte zur raschen Aufklärung des Hormons Renin, das in der Niere produziert wird, und eine Folge von Prozessen im Körper auslöst, die schließlich den Blutdruck regulieren.

Lösch versank im Dunklen der Geschichte

Während Goldblatt die akademische Karriereleiter hinaufstieg, wurde Lösch nicht berühmt, sondern versank im Dunklen der Geschichte. Glodny nannte dafür drei mögliche Gründe. Erstens hat Lösch seine Arbeit auf Deutsch publiziert, was damals noch durchaus verbreitet war. Zweitens arbeitete er in einem finanziell instabilen Umfeld. Drittens verließ Lösch nach der Veröffentlichung seines Beitrags das Feld der Bluthochdruckforschung.

All dies mag in Summe dazu geführt haben, dass seine Arbeit in der wissenschaftlichen Welt nicht wahrgenommen wurde, obwohl sie die wegweisenden Entdeckungen Goldblatts bereits vorwegnahm, führte Glodny aus. (APA)

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    Harry Goldblatt
    (1891-1977)

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