Pröll predigt "Sacharbeit, Sacharbeit, Sacharbeit"

3. März 2006, 10:50
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Umweltminister sieht kaum Konfliktpotenzial um Donauausbau und verurteilt "Europa-Hetze" der FPÖ

Wien - Schlaflose Nächte habe er nicht, sagt Landwirtschaftsminister Josef Pröll. Nicht wegen der Vogelgrippe, vor der zu schützen Aufgabe der Gesundheitsministerin ist. Nicht wegen der Umweltpolitik, in der er gerade jetzt Chancen für die Alternativenergien sieht. Und auch nicht wegen der dürftigen Umfragedaten seiner Partei, der ÖVP, und dem absehbaren Wegbrechen des Koalitionspartners BZÖ.

"Über die Wählerentscheidung braucht man sich jetzt keine Gedanken zu machen", erklärt der Minister im Gespräch mit dem STANDARD, "worüber man sich Gedanken macht: Mit welchen Programmen kann man die Herausforderungen der Zukunft bewältigen?" Unverdrossen predigt Pröll das Wahlziel, Erster zu werden. Und zu diesem Ziel führe "Sacharbeit, Sacharbeit, Sacharbeit".

Daher auch die Ankündigung von Programmen, etwa für Sicherheit, aber auch für den Sozialbereich, in dem die ÖVP stärker Fuß fassen will. Ob das schon eine versteckte Ankündigung einer nächsten Pensionsreform ist? Pröll: "Da haben wir keinen Anlass, nachzusteuern. Aber wir müssen uns fragen, wo entwickeln sich die Daten so, dass wir Neuregelungen brauchen - und da werden wir zeitgerecht unsere Visionen vorlegen."

In der Umweltpolitik, seinem zentralen Aufgabenbereich, sieht er vor allem die Energiepolitik als Schlüssel zu Veränderungen, "das ist stärker zu betonen als in der Vergangenheit". Wobei Pröll die aktuellen Diskussionen über einen Ausbau der Donau nicht als problematisch sieht: "Ich sehe keinen Anlass, die Debatte über Hainburg wieder aufzunehmen, aber wenn wir aus Klimaschutzgründen aus der Abhängigkeit von fossiler Energie herauswollen, kommen wir an der Wasserkraft nicht vorbei." Eher als an den Donauausbau in Hainburg oder der Wachau denkt Pröll an Kleinwasserkraftwerke und an ein Speicherkraftwerk in Tirol - ohne auf einzelne Projekte eingehen zu wollen.

Aber: "Alle, die jetzt schon ans Demonstrieren und Verhindern denken, müssen wissen, dass sie damit mehr Atomstrom und mehr fossile Energieträger fördern."

Dass er mit solchen Aussagen bei den Grünen als potenziellen Koalitionspartner anecken könnte, befürchtet Pröll nicht: "Ich glaube nicht, dass man an einzelnen Projekten die Koalitionsmöglichkeiten bewerten soll." Für "Gespräche nach der Wahl" kämen alle ins Parlament gewählten Parteien prinzipiell in Frage. Mit offenem Ausgang - bei den Grünen sei etwa nicht klar, wohin sie wollten, "das sind Kämpfe entlang der Wiener Heimatfront."

Und die FPÖ? Pröll empfiehlt seiner Partei, "sich anzuschauen, was da an Aussagen gefallen ist - allein schon diese Europa-Hetze, für die kann ich kein Körnchen Verständnis finden".

Schließlich die SPÖ: Wie sein Onkel Erwin, der Landeshauptmann, verweist Josef Pröll konkrete Überlegungen in die Zeit nach der Wahl - kann sich aber einen Seitenhieb auf SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer nicht verkneifen: "Der ist im Blockieren sehr gut, als Macher ist er nicht sehr gut, da bin ich auch nicht sehr optimistisch." (Conrad Seidl, DER STANDARD, Print, 22.2.2006)

  • Bekennt sich zu Wasserkraft, sieht aber "keinen Anlass, die Debatte über Hainburg aufzunehmen": Josef Pröll.
    foto: standard/newald

    Bekennt sich zu Wasserkraft, sieht aber "keinen Anlass, die Debatte über Hainburg aufzunehmen": Josef Pröll.

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