Dramenhochburg ORF

28. März 2006, 19:58
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Man kann dem ORF nicht vorwerfen, dass er den olympischen Volkshelden blind die Mauer mache

In fein abgestimmten Dosen ergötzt der ORF die fassungslosen Patrioten daheim mit immer neuen Details zum olympischen Blutbeutelskandal. Der bis gestern neueste Streich: Zwei heimische Biathleten reisen nach nächtlichem Durchwühlen ihrer Leibwäsche sowie nach polizeilicher Sicherstellung mutmaßlich belastender pharmazeutischer Gerätschaften aus San Sicario Hals über Kopf nach Hause ab.

Der ORF stellt die beiden ebenso störrischen wie knorrigen Sportsleute daheim vor wunderbarer Bergkulisse: Jedem der beiden stak nach der Razzia noch gut sichtbar der Schrecken in den Gliedern.

Die Biathleten Perner und Rottmann erinnerten, rein literarisch gesprochen, an zwei wettergegerbte Landfriedensbrecher, die sich gegen blinde Fürstenwillkür verstockt auflehnen. So könne oder wolle er jedenfalls nicht abtreten, beschied der Athlet Rottmann dem Frager.

Der wackere Funktionär lässt sich nicht beirren

In der "Zeit im Bild 2" weiß der Generalsekretär des ÖOC dann auf Befragen nichts Bestimmtes über Aufenthalt und Glaubwürdigkeit der beiden zu sagen. Von Ingrid Thurnhers Bemerkung, dass es dem ORF schließlich auch möglich gewesen sei, die beiden Olympiaflüchtlinge aufzuspüren, lässt sich der wackere Funktionär schon gar nicht beirren.

Man kann dem ORF nicht vorwerfen, dass er den olympischen Volkshelden blind die Mauer mache. In einer Zuspielung von der Razziennacht sah man einen massigen Zivilbeamten dem Sportler Perner mit dem Finger drohen. Es war Nacht, Perner im Gesicht weiß wie Schnee. (poh/DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2006)

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