Morphingehalt des Speisemohns nimmt zu

1. März 2006, 12:19
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Bundesinstitut für Risiko­bewertung rät zur Vorsicht - Neue Ernte­techniken als Ursache für Morphin­mengen therapeutischen Dosen

Berlin - Lebensmittelanalysen in Deutschland haben ergeben, dass der Morphingehalt in Speisemohn in letzter Zeit stark angestiegen ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schließt ein Gesundheitsrisiko nicht aus und warnt vor dem übermäßigen Mohnverzehr. "Vor allem Schwangere sollten mit mohnsamenhaltigen Speisen vorsichtig sein", rät Thomas Schlicht, Sprecher des BfR.

Auch Säuglingen und Kleinkindern sollte man lieber keinen Mohn zu essen geben. Einen Grund zur Panik gebe aber nicht, so Schlicht. Auf sein Mohnbrötchen zum Frühstück müsse trotz der Warnung niemand verzichten. Bei Mohnkuchen, Mohnnudeln und anderen mohnsamenhaltigen Desserts sei dagegen Vorsicht angesagt, so das BfR.

Neue Erntetechniken als Ursache

"Grund für die erhöhten Morphinwerte sind vermutlich neu eingeführte Erntetechniken, bei denen die Mohnsamenkapseln gequetscht werden und der austretende Milchsaft die Mohnsamen kontaminiert", erklärt Schlicht. Aus dem getrockneten Milchsaft der unreifen Samenkapseln werden Opium und die Alkaloide Morphin und Codein gewonnen. Naturgemäß enthält der Speisemohn aber nur Spuren dieser Stoffe. Je nach Mohnsorte, Erntezeitpunkt und geografischer Herkunft schwankt jedoch die Menge der Alkaloide.

Bei dem Mohn, der momentan im Handel ist, können in ungünstigen Fällen Morphinmengen aufgenommen werden, die im therapeutischen Bereich liegen. "Im schlimmsten Fall kann es bei solchen Dosen zu Bewusstseinsbeeinträchtigungen, Atemdepression und Herzkreislaufeffekten kommen", warnt BfR-Präsident Andreas Hensel. Morphin wird hauptsächlich zur Behandlung starker Schmerzen eingesetzt. Die individuelle Empfindlichkeit gegenüber der Substanz ist dabei von Person zu Person unterschiedlich.

Vergiftungssymptome nach altem Hausrezept

"Hintergrund der Analyse des Speisemohns ist ein Vergiftungsfall bei einem sechs Wochen alten Säugling", berichtet Schlicht. Die Mutter hatte ihrem Kind in bester Absicht nach einem Hausrezept abgeseihte Milch vom Backmohn zum Durchschlafen gegeben. Wenige Stunden danach musste das Baby wegen drohendem Atemstillstand ins Krankenhaus gebracht werden. Abgeseihte Milch vom Backmohn wird in alten Rezepten, aber auch in neueren Kochbüchern als natürliches Mittel gegen nächtliches Geschrei empfohlen.

Um die Lebensmittelüberwachung zu vereinfachen, hat das BfR nun eine Richtlinie für die maximale tägliche Aufnahmemenge für Morphin herausgegeben. Demnach sollte die Menge an konsumiertem Morphin pro Tag nicht über 6,3 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht liegen. Das BfR fordert zudem die Hersteller von Speisemohn auf, größte Anstrengungen zu unternehmen, die Alkaloide im Mohnsamen auf ein Mindestmaß zu senken. Der in Deutschland verbrauchte Mohn kommt zum größten Teil aus der Türkei. (pte)

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