"Missbrauch, Bilder davon"

26. Februar 2006, 12:00
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Ausstellung widmet sich kritischen Bildstrategien rund ums Thema sexualisierte Gewalt

Wien - "Missbrauch, Bilder davon", die von Michaela Pöschl kuratierte Ausstellung, stellt alle Arten von Strategien, sexualisierte Gewalt ins Bild zu setzen, zur Diskussion. Am 8. März wird die Ausstellung in den Räumen der Interessengemeinschaft Bildende Kunst in Wien eröffnet.

Die Erhabenheit einer Tätergesellschaft

Verschiedene Strategien, sexualisierte Gewalt zu verbildlichen, sollen einem kritischen Blick unterworfen werden. Mainstream-Bilder von "Opfern" und "Tätern" würden BetrachterInnen ein erhabenes Gefühl verleihen: Das Gefühl, selbst kein Täter zu sein. "Missbrauch, Bilder davon" möchte diesen Fokus auf "den Einzeltäter" hin zum System lenken, das Missbrauch hervorbringt und begünstigt. Ein solcher Fokus kann mit Gefühlen der Erhabenheit wohl kaum etwas anfangen.

Für sich selbst sprechen

Neben "systemerhaltenden" Bildern, die nicht nach Begünstigungen von Missbrauch fragen, sollen in der Ausstellung auch "systemkritische" Bilder vorgestellt werden: Solche Bilder würden TäterInnenschaft als stukturelles Problem aufzeigen und Gegenstrategien erproben. Etwa indem Bilder von Opfern produziert werden, die zurückschlagen und für sich selbst sprechen können. Deshalb sollen "Opfer"- und "Täter"-Rollen differenzierter betrachtet werden.

Ausgeschlachtete Vergewaltigung

Allzuoft werde das Thema Vergewaltigung in Spielfilmen ausgeschlachtet. Stereotype Rollenbilder würden Frauen zu handlungsunfähigen Opfern machen. Zwar habe die Frauenbewegung der 1960er und 70er Jahre Gewalt gegen Frauen erfolgreich thematisiert, doch sei der Opferstatus am (Selbst-)Verständnis von Frauen haften geblieben. Wie kann nun über Gewalt gegen Frauen gesprochen werden, ohne weibliche Handlungsfähigkeit a priori in Frage zu stellen? Dieser Frage geht Maria Moser nach, die am 17. März ihre Dissertation zum Thema vorstellt. Die Veranstaltung ist Teil des umfangreichen Rahmenprogramms der Ausstellung.

Screenings, Diskussionen und Workshops

In der Ausstellung sollen nicht nur Bilder und Diskurse kritisch aufgegriffen, sondern auch unterschiedliche Öffentlichkeiten dafür hergestellt werden. Gelegenheit hierfür bieten verschiedene Screenings mit anschließender Diskussion, Vorträge und Workshops zum Thema. Im Top Kino wird unter anderem "Salo oder die 120 Tage von Sodom" von Pier Paolo Pasolini gezeigt und diskutiert, wie der Regisseur Täterschaft und Opfertum dramaturgisch gestaltet. Im Workshop "Bilder unter Schmerzen, Erfahrungen mit queerer Pornografie" wird der Frage nach den eigenen Schmerzgrenzen beim Betrachten von Bildern nachgegangen. Dabei soll auch das Thema Selbst-Zensur diskutiert werden.

Mädchen als sexuelle Subjekte

"Missbrauch, Bilder davon" will aufzeigen, wo es in der heutigen Gesellschaft Handlungsbedarf gibt. Deshalb gehe es auch um die Produktion eigener Bilder, zum Beispiel um Frauen von ihrem Objektstatus zu befreien. Wie steht es um eine Beratungspraxis, die Mädchen nicht nur beibringt "Nein" zu sagen und Grenzen zu artikulieren, sondern sie ermutigt ihre Lust zu erproben? Antworten hierauf sollen in einem Workshop für SchülerInnen gefunden werden. Sich solchen Fragen zu stellen bedeute, an der dominanten Ordnung und der darin eingelagerten Grammatik der Gewalt zu rütteln. Um nicht nur kritische Bild-, sondern auch subversive Handlungsstrategien zu eröffnen. (red)

Eröffnung: 8. März
19 Uhr
IG Bildende Kunst, Gumpendorferstr. 10-12, 1060 Wien
Dauer: 9.3. bis 14.4.
Di-Fr, 13-18 Uhr

Link
Rahmenprogramm
  • Poster eines Frauen-Lesben-Kollektivs aus Göttingen 2004
    fotoscan: michaela pöschl
    Poster eines Frauen-Lesben-Kollektivs aus Göttingen 2004
  • Kuratorin Michaela Pöschl in "Der Schlaf der Vernunft" 1999
    fotoscan: michaela pöschl
    Kuratorin Michaela Pöschl in "Der Schlaf der Vernunft" 1999
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