Norwegen zieht im Lachs-Streit mit der EU vor WTO

16. März 2006, 15:53
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EU-Mitgliedstaaten waren sich im Jänner über Mindestpreis für norwegischen Lachs von 2,80 Euro pro Kilo einig - Norweger protestieren

Oslo - Im Streit um Mindestpreise für norwegischen Lachs in der Europäischen Union (EU) will Norwegen gegen entsprechende Anti-Dumping-Maßnahmen bei der Welthandelsorganisation (WTO) klagen. EU-Handelskommissar Peter Mandelson zeigte sich überrascht über den Vorstoß der Norweger.

"Unserer Ansicht nach verletzen die Anti-Dumping-Maßnahmen gegen norwegischen Lachs die Gesetze der WTO", teilte der norwegische Außenminister Jonas Gahr Störe am Dienstag mit. Das WTO-Gericht solle nun Klarheit schaffen.

Fisch drittwichtigstes Exportgut

Im Jänner hatten sich die EU-Mitgliedsstaaten auf einen Mindestpreis für norwegischen Lachs von 2,80 Euro pro Kilo geeinigt. Damit sollten vor allem die kleineren Lachsindustrien in Großbritannien und Irland geschützt werden. Das Nicht-EU-Mitglied Norwegen exportiert etwa 65 Prozent seiner Lachse in die EU. Nach Energie und Stahl ist Fisch das wichtigste Exportgut der Norweger.

Ein Sprecher von EU-Handelskommissar Mandelson zeigte sich überrascht. "Wir können es nicht ganz verstehen, warum Norwegen sich für diesen bestimmten Weg entschieden hat", sagte Sprecher Peter Power auf einer Pressekonferenz. Der Vorstoß der Norweger sei auch insofern eine Überraschung, weil der EU-Mindestpreis deutlich unter den derzeitigen Weltmarktpreisen für Lachs liege. Zudem hätte die EU-Kommission angekündigt, den Mindestpreis nach neun Monaten zu überprüfen und gegebenenfalls anzuheben, sollte sich die Anti-Dumping-Entscheidung als unnötig erweisen. Nach Angaben des norwegischen Statistikamts lag der durchschnittliche Kilopreis für Lachs in der vergangenen Woche bei 3,29 Euro und damit deutlich über dem von der EU verhängten Mindestpreis.

Russland verhängt Importverbot

Der EU-Markt ist für die norwegischen Lachs-Züchter auch deshalb besonders wichtig, weil Russland als Wachstumsmarkt seit 1. Jänner den Import von Lachs aus Norwegen verboten hat. Laut russischen Tests ist der norwegische Lachs stark mit Schwermetallen belastet. Norwegen bestreitet dies.

Die WTO wurde 1995 in Genf ins Leben gerufen, um den Handel mit Gütern und Dienstleistungen zwischen seinen Mitgliedsländern voranzutreiben. Das WTO-Gericht wacht dabei über die Einhaltung der WTO-Verträge. (APA/Reuters)

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    Nach Angaben des norwegischen Statistikamts lag der durchschnittliche Kilopreis für Lachs in der vergangenen Woche bei 3,29 Euro

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