FSFE: Microsoft wollte die EU-Auflagen nie erfüllen

15. März 2006, 14:48
23 Postings

Interessensverband meint in Richtung Softwarekonzern - das Jammern einstellen und die Entscheidung respektieren

Die Free Software Foundation Europe (FSFE) und der Softwarekonzern Microsoft sind wohl nicht unter der Rubrik "Gute Freunde" zu finden. Zu unterschiedliche sind die Motive und die Ausgangspositionen. Nun schießt die FSFE gegen den Softwarekonzern aus Redmond - aus ihrer Sicht hatte Microsoft nie vor, die EU-Auflagen im Kartellverfahren zu erfüllen.

Spiel auf Zeit

"Nach mehreren Jahren der Untersuchung, der ursprünglichen Entscheidung in 2004 und einem Fall am Europäischen Gerichtshof, der nun beinahe zwei Jahre dauerte, kommen wir zum Schluss, dass Microsoft niemals beabsichtigte, die Auflagen und Regeln aus dem Kartellrechtsverfahren zu erfüllen", kommentiert Georg Greve, Präsident der Free Software Foundation Europe (FSFE). "Jahrelang waren wir gezwungen, Verzögerungen, Behinderungen und ein Spiel auf Zeit mit anzusehen, während Microsoft keinerlei Versuch unternommen hat, Interoperabilität und Wettbewerb mit Wettbewerbern zuzulassen, einschließlich Freier Software wie Samba."

Keine vernünftigen Spezifikationen

"Wenn Microsoft tatsächlich über keine vernünftige Spezifikation ihrer Schnittstellen und Dokumentation ihrer beträchtlich komplexen und organisch gewachsenen Systeme hat, wie sie mehrfach behauptet haben, kommt dies einer sehr traurigen Aussage über die Qualität und Verläßlichkeit der Softwaretechnik bei Microsoft gleich", erklärt Jonas Öberg, der Vizepräsident der FSFE. "Dass 'Hunderte von Microsofts Angestellten und Vertragsfirmen' offenbar nicht in der Lage gewesen sind, innerhalb von zwei Jahren die Dokumentation zu erzeugen, untergräbt das Vertrauen in Microsofts technische Leistungsfähigkeit weiter."

"Skandalös"

"Dass Microsoft nun die Kompetenz und die Integrität eines Treuhänders in Frage stellt, den sie selbst benannt haben, ist skandalös. Alle am Fall beteiligten Parteien haben dem Treuhänder tiefgehende Kompetenz und Verständnis bescheinigt," meint dazu Carlo Piana, der Anwalt, der die FSFE bei diesem Fall vertritt: "Wie können sie sich jetzt erlauben diesem Treuhänder wiederholt Befangenheit vorzuwerfen? Weil er nicht Lügen will entgegen aller Beweise? Wir unterstützen die Kommission auf dem ganzen Weg und noch weiter. Und wenn Microsoft hätte wissen wollen, wie sie den Auflagen hätten folgen können, so hätten sie nur Volker Lendecke, Mitglied des Samba-Teams und technischer Experte, anrufen brauchen. So wie wir das vorgeschlagen hatten."

Über den Gesetzen

"Microsoft hat sich benommen, als stünden sie ihrer Meinung nach über dem Gesetz und jeglicher Entscheidung der Europäischen Kommission. Die aggressive Haltung, die sie jetzt gegenüber der Kommission einnehmen, welche unglaublich viel Geduld mit Microsoft aufgebracht hat, bekräftigt diesen Eindruck.", schlussfolgert Georg Greve. "Microsoft drängt offensichtlich darauf, die erste Firma in der Geschichte der Kartellrechtsgeschichte zu sein, die der Europäischen Kommission keine andere Wahl liess, als tägliche Strafzahlungen zu erheben. Microsoft verdient zu erhalten, worauf sie sie so hart hingearbeitet haben und auf die harte Tour zur Einhaltung der Auflagen gebracht zu werden."

Eine Antwort des Softwarekonzerns zu den von der FSFE geäußerten Vorwürfen steht noch aus.(red)

Share if you care.