Eon will Endesa übernehmen

13. März 2006, 12:02
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In der europäischen Energiebranche zeichnet sich eine Großfusion ab: Der deutsche Konzern bietet über 29 Milliarden Euro für den spanischen Konkurrenten

Düsseldorf - Der deutsche Energiekonzern E.ON strebt mit der geplanten Übernahme des spanischen Versorgers Endesa im Gas- und Stromgeschäft an die Weltspitze. Zum Preis von insgesamt 29,1 Milliarden Euro in bar will der Düsseldorfer Konzern die Nummer eins auf dem spanischen Energiemarkt schlucken. Es ist die weltweit größte Übernahme auf den Energiemärkten.

Für den Erwerb von 100 Prozent des Endesa-Kapitals biete E.ON einen Preis von 27,50 Euro in bar, teilte das Düsseldorfer Unternehmen am Dienstag mit. Das entspricht einem Aufschlag von rund zwei Euro auf den auf Endesa-Schlusskurs vom Montag. E.On ist in Österreich am Mobilfunkbetreiber One beteiligt.

Neue Dimension am Energiemarkt

"Diese Transaktion bringt nicht nur E.ON in eine neue Dimension. Auch für Endesa und ihre Mitarbeiter biete sie entscheidende Vorteile", erklärte E.ON-Chef Wulf Bernotat. Der Manager versprach, dass das Unternehmen als Ganzes erhalten bleibe und die spanischen Verbraucher von dem Zusammenschluss profitieren würden. Mit der Akquisition gehe E.ON einen bedeutenden Schritt zur "Verwirklichung eines einheitlichen europäischen Marktes für Energie", unterstrich Bernotat.

Der E.ON-Chef rechnet nicht mit Einwänden der Kartellbehörden: "Wir erwarten keine Schwierigkeiten, weil es praktisch keine überlappenden Aktivitäten beider Unternehmen gibt", sagte Bernotat bei einer Telefonkonferenz in Madrid.

Gemeinsam kommen E.ON und Endesa auf einen kombinierten Absatz von 608 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom und 945 Milliarden Kilowattstunden Gas. Das Unternehmen werde mehr als 50 Millionen Kunden versorgen und über 107.000 Mitarbeiter beschäftigen. Darüber hinaus schaffe der Zusammenschluss ein Unternehmen mit einer starken Präsenz und einer führenden Wettbewerbsposition in allen wichtigen regionalen Strom- und Gasmärkten Europas.

Expansion nach Ruhepause

E.ON hatte nach dem Kauf des Ferngasunternehmens Ruhrgas bei weiteren Zukäufen eine Ruhepause eingelegt und sich auf die Integration von Beteiligungen konzentriert. Gleichzeitig baute der Konzern durch kleine Zukäufe vor allem in Ost- und Mitteleuropa seine Marktstellung aus. Vor einem Jahr kündigte Bernotat an, dass auch größere Schritte möglich seien, wenn sie den Investitions- und Rentabilitätskriterien des Unternehmens entsprechen. Ein Kaufangebot für den Stromkonzern Scottish Power in zweistelliger Milliardenhöhe wurde im vergangenen Jahr vom Management des Versorgers zurückgewiesen.

Auf den großen Energiemärkten in Westeuropa hatte Bernotat auf die südlichen Länder ein Auge geworfen. Dabei geriet vor allem Italien ins Blickfeld. Spekulationen über einen möglichen Einstieg bei der Edison wurden nie bestätigt. Das Unternehmen wurde später von der französischen EdF übernommen.

Interesse auch von Gas Natural

Der gesamte Unternehmenswert von Endesa, einschließlich der Schulden, Rückstellungen und Minderheitsbeteiligungen des spanischen Versorgers, liegt nach weiteren Angaben von E.ON bei einem Wert von 55,2 Milliarden Euro. E.ON will das Angebot noch am Dienstag bei der spanischen Kapitalmarktaufsichtsbehörde CNMV einreichen. Für Endesa hatte zuvor der spanische Konkurrent Gas Natural eine als feindlich eingestufte Offerte von rund 22,5 MilliardenEuro abgegeben. E.ON könnte nun als "Weißer Ritter" einspringen.

Endesa reagiert zurückhaltend

Endesa hat mit Zurückhaltung auf das Übernahmeoffert des deutschen Energiekonzerns E.ON reagiert. Das Angebot von 29,1 Mrd. Euro spiegle nicht den tatsächlichen Wert Endesas wider, erklärte das Unternehmen am Dienstagabend nach einer Vorstandssitzung in einer Mitteilung an die spanische Börsenaufsicht in Madrid. Positiv sei jedoch, dass E.ON in bar bezahlen und keine Endesa-Aktiva veräußern wolle, hieß es weiter.

Endesa-Präsident Manuel Pizarro verfolge die Linie, den Aktionären die Annahme jedes Übernahmeangebots zu empfehlen. Die Notierung der Endesa-Aktien an der Madrider Börse wurde vorübergehend ausgesetzt. Nach der Wiederzulassung schnellte der Wert um 7,9 Prozent auf 27,49 Euro empor. (APA/dpa)

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    Gas Natural bietet 22,5 Milliarden Euro für Endesa und damit knapp sieben Milliarden Euro weniger als E.On.

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