Mazedonischer Vizepremier für rasche Lösung der Kosovo-Frage

3. März 2006, 19:57
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Xhaferi: "Je früher Status gelöst ist, desto besser für ganze Region" - Auch Mazedonien hat Ortstafel-Problem

Wien - Der mazedonische Vize-Regierungschef Musa Xhaferi hat sich für eine rasche Klärung des künftigen völkerrechtlichen Status der von der UNO verwalteten südserbischen Provinz Kosovo ausgesprochen. Bei einem Vortrag an der Diplomatischen Akademie in Wien sah der Vertreter der albanischen Volksgruppe in Mazedonien vor dem Hintergrund der am Montag begonnenen Kosovo-Direktgespräche im so genannten Ohrid-Abkommen "Elemente, die auch für das Kosovo von Interesse sein könnten".

Bessere Beziehungen zu "Nachbarland"

"Kein Zweifel: Je stabiler (das Kosovo), desto besser für Mazedonien. Je früher der Status gelöst ist, desto besser für die ganze Region", sagte der Vizepremier. "Wir alle zahlen einen Preis, weil diese Frage noch immer nicht gelöst ist." Der Frage, ob eine Unabhängigkeit der südserbischen Provinz eher Vor- oder eher Nachteile für sein Land bringe, wich Xhaferi aus. Eine Unabhängigkeit bringe jedenfalls keine Nachteile mit sich, erklärte er. Mazedonien habe im Falle einer Eigenstaatlichkeit des Kosovo ein Interesse, in Zukunft bessere Beziehungen zu dem "Nachbarland" zu haben.

Ohrid-Abkommen

Das vor viereinhalb Jahren unterzeichnete Ohrid-Abkommen beendete im August 2001 mehrmonatige Kämpfe zwischen der albanischen Guerilla und mazedonischen Sicherheitskräften. In der Früheren Jugoslawischen Republik Mazedonien (FYROM) sind rund 25 Prozent der Bevölkerung ethnische Albaner. Der Anteil der slawischen Mehrheitsbevölkerung beträgt etwa 65 Prozent. Daneben gibt es mehrere Minderheiten, wie Türken und Roma. Die Albaner leben vorwiegend im Westen und Nordwesten entlang den Grenzen zu Albanien und zum Kosovo.

Das Abkommen sah eine Reihe von Gesetzes- und Verfassungsänderungen vor: Der Anteil der Albaner im Staatsdienst sollte demnach auf ein "angemessenes" Niveau angehoben werden, Albanisch sollte in Gebieten, mit mehr als 20 Prozent Albanern Amtssprache sein und die Kommunen sollten mehr Selbstverwaltungsrechte erhalten.

Xhaferi, der für die Umsetzung des Abkommens mit zuständig ist, erklärte, vor 2001 sei das 1991 unabhängig gewordene Mazedonien "auf die mazedonische Volksgruppe aufgebaut" gewesen. Nunmehr bestehe für die Albaner die "Möglichkeit, mitzuwirken, mitzuentscheiden" und auch "selbst zu entscheiden". Zugleich "sollte es aber nicht so sein, dass die Mehrheit das Gefühl bekommt, ihren Staat zu verlieren", betonte er.

Mehrsprachige Tradition aufbauen

Das unter internationaler Vermittlung zu Stande gekommene Abkommen und der Weg danach seien nicht zuletzt deswegen als "Erfolgsgeschichte" bezeichnet worden, da Maßnahmen zur Konfliktlösung vorgesehen wurden, "so dass jedes Stolpern auch wieder aufgefangen werden kann", führte der Vizepremier weiter aus. Auf dieser Basis habe man es "immer wieder geschafft, Hindernisse zu überwinden". Die nach der Gewalt getroffenen Maßnahmen seien auch für das Kosovo - wo 90 Prozent der Bevölkerung Albaner sind - von Interesse.

Zur Sprachen-Frage in seiner Heimat sagte Xhaferi: "Ein Staat kann es sich nicht leisten, von einem wichtigen Teil der Bevölkerung nicht verstanden zu werden." 55 Prozent der mazedonischen Bürger lebten in zwei- oder mehrsprachigen Gemeinden. In einigen Regionen gebe es zweisprachige Ortstafeln in anderen nicht. "Wir müssen erst eine Tradition aufbauen, dass von den Bürgern akzeptiert wird, dass es Tafeln und andere Informationen in mehreren Sprachen gibt." Mittlerweile seien 16,5 Prozent der Staatsdiener im EU-Kandidatenland Mazedonien ethnische Albaner. Xhaferi: "Dem Staat hat das gut getan." (APA)

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