Über eine Geschichte, die es so nie gegeben hat

20. Februar 2006, 20:06
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Markus Engels "Geschichte über eine Geschichte" im Wiener WUK

Zwischen Urlaubs-, Erinnerungs- und Idealbildern hat Markus Engel sein - in einen visuellen Mikrokosmos entführendes - Stück Eine Geschichte über eine Geschichte angesiedelt. Und auch jene Röntgenaufnahmen, die, an Drahtleinen befestigt, eine Art der Bühnenbegrenzung bilden, fügen sich in dieses Gesamtkonzept. Die handelnden Personen - ein Mann (Horst Heiss), eine Frau (Katrin Schurich) und ein Erzähler/Spielleiter (Christian Strasser) - erlangen jedoch nie jenen Durchblick in Bezug auf die sie umgebenden Menschen, den diese Bilder wohl symbolisch repräsentieren. Indem er zwei Schauspieler seine wenigen, fotoähnlichen Gedächtnisfragmente nochmals für sich nachvollziehen lässt, unternimmt der junge Erzähler den Versuch, den Krebstod des Vaters zu verarbeiten. Doch allzu oft greift er selbst - um seine inneren Idealbilder nicht aufgeben zu müssen - lenkend in die Handlung ein. Erst durch die "Widerspenstigkeit" der Schauspieler kann jene Auseinandersetzung mit den Figuren der Eltern erfolgen, die seine klischeehaften Vorstellungen ebenso zu Boden sinken lässt wie die zuletzt heruntergerissenen Röntgenbilder. Das Ende kommt überraschend. Es gibt wohl nichts mehr zu erzählen. Aber die Bilder bleiben. (sab/DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2006)
WUK, Währinger Str. 59, (01) 40 121-70, bis 22. 2.
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    foto: wuk
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