Arcelor-Aktionär drängt auf Gespräche

2. März 2006, 19:23
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Neue Wende im Übernahmepoker von Arcelor durch Mittal Steel: Atticus Capital drängt auf Fusionsgespräche mit Konkurrent Mittal

New York/Neu-Delhi - Der europäische Stahlkonzern Arcelor ist von einem Aktionär zu Fusionsgesprächen mit dem Konkurrenten Mittal Steel gedrängt worden, lehnt dessen Übernahmeangebot aber unverändert ab. Auch der politische Widerstand gegen eine Verschmelzung beider Unternehmen hält an: Frankreichs Präsident Jacques Chirac, derzeit auf Besuch in Indien, verteidigte die Bedenken mehrerer europäischer Regierungen gegen das Geschäft als legitim.

Keine Nachbesserung

Mittal will das Offert trotz kategorischer Ablehnung durch Arcelor nicht nachbessern. "Es gibt derzeit keine Flexibilität", sagte Mittal-Steel-Chef Lakshmi Mittal dem Fernsehsender CNBC in Neu-Delhi. "Ich glaube, unser Angebot ist sehr attraktiv."

Der Hedge-Fonds Atticus Capital, nach eigenen Angaben mit etwa 1,3 Prozent an Arcelor beteiligt, sprach sich unterdessen offen für eine Annahme des Übernahmeofferts aus. "Wir glauben an die zwingenden industriellen und finanziellen Vorzüge der Transaktion", schrieb Atticus-Chairman Timothy Barakett in einem am Sonntag veröffentlichten Brief an Arcelor-Chef Guy Dolle. Eine Fusion würde allen Beteiligten Synergien und strategische Vorteile bringen.

Atticus, eine 1995 von Barakett gegründete Investmentfirma mit Hauptsitz in New York, verwaltet ein Vermögen von insgesamt 10 Mrd. Dollar (8,4 Mrd. Euro). Der Hegde-Fonds war erst vor einiger Zeit in die Schlagzeilen geraten, als er zusammen mit anderen Investoren die Pläne der Deutschen Börse für eine Übernahme der Londoner Börse LSE zu Fall brachte.

Bei Arcelor stieß Baraketts Vorstoß indes auf Ablehnung. "Für uns hat sich nichts geändert", sagte Konzernsprecher Jean Lasar. Für die Übernahmepläne Mittals gebe es keine tragfähige industrielle Grundlage. Außerdem werde sich das Arcelor-Board mit dem Offert nur befassen, falls es in ein reines Barangebot umgewandelt werde.

Atticus will sich weiter für die Aufnahme von Übernahmeverhandlungen zwischen Arcelor und Mittal Steel einsetzen. So behalte sich der Fonds vor, seine Interessen auf der Versammlung der Arcelor-Aktionäre am 28. April zu schützen und im Zweifel vor Gericht durchzusetzen, kündigte Barakett an. Hingegen hat Arcelor-Chef Dolle wiederholt erklärt, das Mittal-Angebot spiegle nicht den wahren Wert Arcelors wider.

Mittal hat für Arcelor 18,6 Mrd. Euro geboten. Der Stahlmagnat sieht sich mit seinem Übernahmeversuch aber auch massiven politischen Widerständen in Luxemburg, Spanien und Frankreich gegenüber. (Reuters, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2006)

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    Arcelor-Chef Guy Dolle gerät innerhalb des Aktionärskreises unter Druck. Die Investment-Firma Atticus Capital hat sich für Fusionsgespräche mit dem Konkurrenten Mittal ausgesprochen.

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