Europas Energiebranche weiter auf Fusionskurs

16. März 2006, 16:28
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E.on-Chef sieht Platz für nur wenige Top-Player

Düsseldorf/Wien – Die Konzentration auf dem europäischen Strom- und Gasmarkt schreitet voran – vermehrt auch über Ländergrenzen hinweg. Davon ist zumindest der Vorstandschef des in Düsseldorf ansässigen Energieriesen E.on, Wolf Bernotat, überzeugt. Der Financial Times Deutschland (Montagausgabe) sagte er: "Am Ende wird es ei^ne kleine Anzahl von Energieunternehmen geben, die europaweit eine Rolle spielen".

Dazu gehörten die italienische Enel, die französische EDF und E.on. Den Rivalen aus Essen, RWE, erwähnte Bernotat bei der Aufzählung möglicher Mitglieder in der Führungsgruppe nicht.

Wie groß die Konzentration im Energiebereich bereits ist, zeigt eine Studie von PricewaterhouseCoopers. Demnach halten die drei größten nationalen Energieversorger – mit wenigen Ausnahmen – durchwegs gut 75 Prozent am Strom- bzw. Gasmarkt ihres Landes. Die größten europäischen Versorger seien meist auch in allen EU-Staaten präsent. Daraus werde ersichtlich, wie nötig echter, europaweiter Wettbewerb sei, heißt es in dem Papier.

Die nächste große Übernahme bahnt sich in Spanien an. Dort will Gas Natural die deutlich größere Endesa schlucken. Erst Anfang Februar hat die Regierung in Madrid der milliardenschweren feindlichen Übernahme unter Auflagen zugestimmt. Damit entstünde der weltweit drittgrößte Energiekonzern.

RWE will Endesa nicht

Entgegen einer Meldung, wonach RWE als weißer Ritter einspringen und ein Angebot für Endesa legen könnte, gibt der Essener Energiekonzern vor, andere Prioritäten zu haben. "Wir sind nicht interessiert", sagte eine dem Unternehmen nahe stehende Person am Montag. Expansion komme für RWE nur in Osteuropa infrage, ergänzte ein Sprecher. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hat in der Vorwoche wegen dramatischer Preissteigerungen die Einleitung von Kartellverfahren gegen mehrere Energieversorger angekündigt.

Österreich ist, was die Trennung von Stromerzeugung, ^-transport und -verteilung (Unbundling) betrifft, im Verzug. De facto hätten entsprechende Landesgesetze mit Dezember 2004 in Kraft sein müssen. Kärnten und das Burgenland haben diese bis heute nicht kundgemacht. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2006)

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