EU will Strafzölle gegen Billigschuhe aus Fernost

29. März 2006, 15:39
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EU-Handelskommissar Mandelson will wegen unfairer Subventionen Strafzölle verhängen. Dies könnte den Preis pro Schuhpaar EU-weit um bis zu 25 Prozent erhöhen

Brüssel - Nach dem so genannten BH- Krieg droht nun eine Schuhschlacht: Nachdem im Vorjahr asiatische Billigtextilien den EU-Markt überschwemmt hatten und erst ein Quotensystem Abhilfe schaffte, droht die EU- Kommission nun Strafzölle für Schuhe aus China und Vietnam an. EU-Handelskommissar Peter Mandelson dringt darauf mit dem Argument, dass Hersteller unfair durch den Staat subventioniert würden. Nach Angaben von Mandelsons Sprecher liegen für die Vermutungen nun Beweise vor. So bekämen Schuhhersteller in China und Vietnam beispielsweise Nachlässe bei Steuern und Mieten.

Laut Angaben der EU-Kommission sind zwischen April 2004 und März 2005 die Schuhimporte aus den beiden Ländern stark angestiegen: die Einfuhren aus China um 320 Prozent auf 95 Millionen Paar, aus Vietnam um 200 Prozent auf 120 Millionen Paar.

Wenn Mandelsons Vorschlag innerhalb der Kommission und durch die Mitgliedstaaten akzeptiert wird, könnten Strafzölle schon vom 7. April an gelten. Für den 9. März ist die nächste Sitzung des Antidumpingausschusses geplant. Sollte es zu den Zöllen kommen, müssten beide Länder bis zum 7. Oktober die unfaire Praxis beenden. Anderenfalls drohen für 5 Jahre Strafzölle.

Umstrittener Schritt

Aber dieser Schritt ist durchaus umstritten. EU-intern gilt es eine Balance zwischen den Interessen von Importeuren und Produzenten in der EU zu finden. Importeure wie der deutsche Sportartikelhersteller Adidas oder der britische Schuherzeuger Clarks profitieren durch chinesische Billigproduktionen und lehnen Strafzölle daher ab. Produzenten, angeführt von der italienischen Schuhindustrie, fordern aber gerade deren Einführung zum Schutz der europäischen Schuhindustrie.

Innerhalb der EU ist die Schuhproduktion von 1,1 Milliarden Paare 1998 auf 700 Millionen 2004 gefallen. Wie beim Textilstreit werden die Gegner der Maßnahmen von Schweden, Dänemark und den Niederlanden angeführt, Italien steht an der Spitze der Befürworter.

Nach Angaben der Handelsorganisation EuroCommerce würde die Einfuhr von Strafzöllen den Preis pro Schuhpaar um bis zu sieben Euro verteuern. Die Preise für Lederschuhe könnten sogar um bis zu 25 Prozent steigen, wenn man von einem Strafzoll in Höhe von 40 Prozent ausgeht. Laut EU-Kommission gibt es aber noch keinen konkreten Vorschlag zur Höhe des Zuschlags. (Alexandra Föderl-Schmid, Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2006)

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    Fabriken wie die chinesische Liulong Shoe Factory produzieren ausschließlich für den Export.

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