Ein Dach und ein Bett für junge Obdachlose

8. Jänner 2007, 16:58
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Wiens erste Jugend-Notschlafstelle am Westbahnhof "away" - Im Bedarfsfall werden Mädchen bevorzugt aufgenommen

Wien - Der Blick aus dem Fenster des Gemeinschaftsraums geht direkt auf die weit verzweigten Geleise des Westbahnhofs - die passende Atmosphäre für Wiens erste Jugend-Notschlafstelle mit dem Namen "away", der zugleich für "weg von zu Hause" und für "ein Weg" steht.

Obdachlose Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren finden hier, in den Räumen des ehemaligen Bahnhofssozialdienstes der Caritas, seit kurzem einen Schlafplatz sowie die Möglichkeit zu duschen, zu essen und Wäsche zu waschen. Zwei Schlafzimmer mit sechs und vier Betten - getrennt nach Geschlechtern - stehen täglich zwischen 19 und 9 Uhr für junge Menschen in Krisensituationen zur Verfügung. Im Bedarfsfall werden Mädchen bevorzugt.

Ort der Ansprache

Man wolle jedoch nicht nur Quartiergeber sein, betonte Caritas-Direktor Michael Landau, der das Projekt am Montag gemeinsam mit Sozialstadträtin Renate Brauner und Jugendstadträtin Grete Laska (beide SP) präsentierte. Die Notschlafstelle soll neben einem Rückzugsort auch "Ansprache und Beratung ohne Belehrung" bieten. Voraussetzung für die Aufnahme ist ein legaler Aufenthalt in Österreich und ein Erstgespräch mit einem der beiden permanent anwesenden Sozialarbeiter.

Alkoholverbot

Bis zu fünf Nächte im Monat können die jungen Obdachlosen in der Einrichtung am Westbahnhof verbringen - "völlig unbürokratisch, anonym und freiwillig," wie Landau unterstreicht. Es gilt Drogen- und Alkoholverbot, Hunde dürfen aber mit genommen werden. Gemeinsam soll dann eine Perspektive erarbeitet werden. "Wir wollen verhindern, dass die Jugendlichen in manifeste Wohnungslosigkeit und soziale Isolation abrutschen," erklärt Landau. Daher ist die Notschlafstelle mit anderen Einrichtungen vernetzt, an welche die Betroffenen weiterverwiesen werden. Mit "away" werde eine "letzte Lücke" geschlossen, ist Stadträtin Laska überzeugt.

Seit der Eröffnung im Dezember sind die Nächtigungszahlen im Steigen, die Kapazitäten seien aber noch nicht voll ausgelastet - auch wenn die Erfahrungen zeigten, dass das Angebot gut angenommen werde, so Landau. "Vertrauen braucht Zeit," meint der Caritas-Direktor. (kri, DER STANDARD Printausgabe, 21.02.2006)

  • Jugendstadträtin Grete Laska, Stadträtin Renate Brauner und Caritas-Direktor Michael Landau eröffneten am Westbahnhof eine Notschlafstelle für Jugendliche.
    foto: pressefoto votova

    Jugendstadträtin Grete Laska, Stadträtin Renate Brauner und Caritas-Direktor Michael Landau eröffneten am Westbahnhof eine Notschlafstelle für Jugendliche.

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