Zehn Tonnen Würstel in 50 Jahren Opernball "verputzt"

28. Februar 2006, 22:03
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Speisekarte damals und heute im Vergleich - Trend geht weg von teuren Getränken

Wien - Zehn durchschnittlich große Möbeltransporter voll Würstel (10.000 Kilogramm) haben Gäste am Wiener Opernball in den vergangenen 50 Jahren verputzt. Nachgespült wurde mit Sekt aus etwa 34.000 Flaschen, rechnete Oliver Braun, Geschäftsführer des Catering-Unternehmens "Gerstner", das die Traditionsveranstaltung seit damals betreut, der APA vor. Nicht nur die Trinkgewohnheiten der illustren Besucher haben sich seither verändert - auch die Preise auf der Speisekarte.

Seit 1847 sorgt das Wiener Unternehmen für das leibliche Wohl der Gäste im Sangeshaus am Ring. "Das Speisenangebot war früher deutlich größer", beobachtete Braun. "Auf einen Ball geht man aber auch nicht um zu essen, sondern um sich zu amüsieren - damit geht das Trinken einher", schmunzelte er.

Trend weg von teuren Getränken

Spendable Zeiten scheinen diesbezüglich am Opernball vorbei zu sein: "Der Trend geht weg von teuren Getränken." Champagner sei früher sehr viel getrunken worden - heute würden Ballbesucher Sekt bevorzugen. "Auch der Mineralwasserkonsum hat in den vergangenen vier, fünf Jahren deutlich zugenommen", berichtete der Caterer, "zu Lasten von süßen Safterln."

Kraft holen sich Besucher der "Nacht der Nächte" bei Gulaschsuppe und "Gerstnerwürstel" - das seien nach wie vor die Lieblingsspeisen der Promis, Politiker und Adabeis. Gegen den mitternächtlichen Hunger ist das laut Braun auch das beste Mittel. Exotische Angebote wie Austern und Sushi sah er nach wie vor als "Nischenprogramm. "Der Gast will seine Würstel und Sandwichvariationen", erklärte Braun. Viele würden die festliche Veranstaltung um etwa 1.00 Uhr für einige Stunden verlassen, um in umliegenden Hotels zu dinieren.

34.000 Stunden Arbeitszeit

"Das erste Mal beschäftigen wir uns mit dem Opernball jedes Jahr im Oktober, um Angebote und Preise fest zu setzten", erklärte der Gastronom, der selbst seit fünf Jahren für das kulinarische Gelingen verantwortlich ist. Insgesamt sind in die Vor- und Zubereitung der Speisen und Getränke für den Opernball in 50 Jahren rund 34.000 Stunden Arbeitszeit geflossen, so der Gourmet.

Heuer stehe trotz Jubiläum "nichts Besonderes" auf der Menükarte. Das Exemplar von 1957 unterscheidet sich von der aktuellen Version nicht nur in punkto Angebot. Kostete eine Portion "Gerstner Operball Würstel" damals umgerechnet 73 Cent, muss der hungrige Gast heute sieben Euro berappen. Eine Flasche Sekt ist am 23. Februar 170 Euro wert - vor 50 Jahren kostete sie 1,45 Euro. (APA)

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