Gesundes Ringen um Studenten

8. März 2007, 11:40
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Wenn Ärzte und Ärztinnen an die Spitze kommen wollen, ist eine Managementausbildung eine Voraussetzung, um Primar oder Primaria zu werden

"Wir sind die führende Wirtschaftsuniversität des Landes. In einem Financial Times-Ranking der besten Master-Programme in Wirtschaft liegen wir europaweit an 22. Stelle. Im deutschsprachigen Raum ist nur Köln vor uns. Wir sind doch mit dieser Provinz-Uni in Krems nicht vergleichbar." Das sagt Johannes Steyrer, wissenschaftlicher Leiter des MBA-Lehrgangs im Health Care Management der Wirtschaftsuniversität Wien.

Kostendebatten

"Die WU gewinnt ihre Leute, weil sie den MBA zu einem Schleuderpreis anbietet - für 14.000 Euro statt der marktüblichen 20.000." Sagt Albin Krczal, wissenschaftlicher Leiter einer Reihe von Master-of-Science-Programmen im Gesundheitsmanagement an der Donau-Universität Krems.

Die Lehrgänge in Krems kosten zwar nur rund 11.000 Euro, schließen aber auch nur mit einem Master of Science ab. Der MSc stehe in der Titelhierarchie aber klar hinter dem MBA, sagt Krczal. Ein upgrade zum MBA kostet weitere 6900 Euro. "Wir gewähren einen ,Social Responsibility'-Rabatt von 6000 Euro", kontert Steyrer. "An unserem MBA-Lehrgang nehmen nicht nur reiche Radiologen teil, sondern Leute, die sich die Gebühren absparen müssen."

Die Angebote im Bereich Gesundheitsmanagement sind vielfältig bis verwirrend. Die Wirtschaftsuniversität Wien bietet einen postgradualen Lehrgang im Gesundheitsbereich an: Einen MBA in Health Care Management. Jedes Jahr beginnen etwa 25 Teilnehmer mit dem viersemestrigen Lehrgang. Die WU hat auch eine Ausschreibung des Krankenanstaltsverbands gewonnen und und macht Lehrgänge exklusiv für Teilnehmer des Verbands.

Die Donau-Uni Krems bietet dagegen eine Vielzahl von Lehrgängen an: von Gesundheits-, Rettungsdienst-, Pharma- bis Wellnessmanagement, dazu Lehrgänge für Pflegemanagement und Spezialgebiete wie etwa ein Training für Deeskalationsmanagement, um mit Gewalt und Aggression im Gesundheitsdienst umzugehen.

"Das ist doch nur Etikettenschwindel", sagt Steyrer. "Es wird suggeriert, dass Rettungsdienst so viel anders sei als Pflege. Dabei ist der Großteil des Gesundheitsmanagements dasselbe."

Praxisbezogen

"Wenn sich jemand aus dem Pharma-Außendienst für eine Karriere im Innendienst qualifizieren will, braucht er ein für seine Bedürfnisse maßgeschneidertes Programm", sagt Krczal. "Wir sind sehr praxisorientiert und fragen die Geschäftsführer der Pharmaunternehmen, welches Wissen wir vermitteln sollen."

Im Wintersemester 2005/06 hatte das Zentrum für Management und Qualität im Gesundheitswesen, das die verschiedenen Lehrgänge anbietet, 483 Studierende.

Krczal ortet einen "gewaltigen Bedarf" an guter, praxisnaher Ausbildung. Als Vortragende wählt er am liebsten Personen, die in Unternehmen oder als Unternehmensberater tätig sind. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Universitäten, etwa mit der Universität Tübingen im Lehrgang "Clinical Research" bringe Vorteile.

Den Weg der Kooperation mit deutschen Universitäten gehen auch die beiden anderen Anbieter von Gesundheitsmanagement-MBAs in Österreich, nämlich die Medizinische Universität Wien und die Business School der Universität Salzburg.

Die Med-Uni hat eine Kooperation mit der FH für Wirtschaft Berlin, die die wirtschaftlichen Kompetenzen des Health-Care-Management-Lehrgangs liefert. Die Vortragenden kommen allerdings nach Wien, auch wenn Studierende grundsätzlich die Möglichkeit haben, auch in Berlin zu studieren.

Das Health-Care-Management-MBA-Programm der Uni Salzburg ist eine Kooperation mit ähnlichen Instituten der Universitäten Trier, Marburg und Luxemburg. Die Lehrgänge finden in allen drei Ländern statt. (DER STANDARD-Printausgabe, 18./19.2.2006)

Von Margarete Endl
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