Weltluftfahrtverband warnt vor Überkapazitäten

12. März 2006, 19:43
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Angesichts zahlreicher Neubestellungen von Flugzeugen warnt IATA vor möglichen negativen Folgen, die sich die Branche nicht leisten könne

Singapur - Der Weltluftfahrtverband IATA hat angesichts zahlreicher Neubestellungen von Flugzeugen die Branche vor wachsenden Überkapazitäten gewarnt.

"Die Branche kann sich die negativen Folgen von Überkapazitäten nicht leisten", sagte der Generaldirektor der International Air Transport Association (IATA), Giovanni Bisignani, am Montag im Vorfeld einer Luftfahrtmesse in Singapur.

Die beiden Flugzeughersteller Airbus und Boeing hatten im vorigen Jahr jeweils gut 1.000 Neubestellungen verbucht - mit gemeinsam 2.057 mehr als jemals zuvor in einem Jahr. Denn die Inbetriebnahme modernerer Maschinen bedeute nicht automatisch, dass die alten Flugzeuge stillgelegt würden. Oft werden sie an kleinere Gesellschaften verkauft oder an Investoren, die die Maschinen verleihen.

Weiterhin rote Zahlen

"Den früheren Spitzenjahren 1991 und 1999 folgten in der Vergangenheit stets exzessive Kapazitäten und fallende Gewinne", warnte der IATA-Chef. Denn trotz der seit zwei Jahren wieder wachsenden Luftfahrt schreibt die Branche weltweit insbesondere wegen der unverändert hohen Verluste von US-Fluggesellschaften weiterhin rote Zahlen.

Der IATA-Verband rechnet damit, dass der Aufwärtstrend in der Luftfahrt 2006 und in den Folgejahren anhält. Fracht- und Passagiergeschäft sollen in diesem Jahr um fünf bis sechs Prozent zulegen. Unter dem Strich rechnet IATA für 2006 mit einem Branchenverlust von mehr als vier Milliarden Dollar, nach sechs Milliarden Dollar (fünf Milliarden Euro) im vorigen Jahr.

Schwarze Zahlen 2007

Nur ohne neue negative Faktoren, wie etwa zu starke Überkapazitäten, sei das Ziel schwarzer Zahlen in der Weltluftfahrt für 2007 auch tatsächlich zu erreichen, sagte der IATA-Chef.

In Europa haben insbesondere die Billigfluggesellschaften wie die irische Ryanair, die britische Easyjet oder in Deutschland Air Berlin, dba und Germanwings etliche neue Maschinen in den nächsten Jahren geordert. Auch Lufthansa, Europas zweitgrößte Fluggesellschaft, will nach Aussagen von Konzernchef Wolfgang Mayrhuber in diesem Jahr ebenfalls eine Grundsatzentscheidung über die Erneuerung der Flotte treffen. (APA/Reuters)

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