Bachelor und Master: Chancen nach der Umstellung

13. Juli 2007, 13:49
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Der Wechsel auf Bakkalaureat- und Masterstudien ist an den Wiener Unis unterschiedlich weit fortgeschritten. Über mögliche Auswirkungen auf postgraduale Studiengänge gaben die Experten an den Universitäten Auskunft

"Zweifellos wird diese Entwicklung die Berufsbilder verändern", sagt Hans Kaiser, Vizerektor für Lehre an der TU Wien. Ein Drittel der TU-Studien wurden bereits umgestellt, der Rest folgt im kommenden Jahr. Dreijährige Bakkalaureats-Studien können danach mit Master oder Postgradualen ergänzt werden. An Zugangsbeschränkungen werde absolut nicht gedacht. Wie die Umstellung von der Wirtschaft aufgenommen werde, sei nur zu erahnen, aber Informatiker mit Bakkalaureat hätten sicher gute Berufschancen, sagt Kaiser. Wichtig sei ihm, herauszustreichen, was ein Bakk-Absolvent nicht ist - kein voll ausgebildeter Ingenieur. Das müsse transparenter gemacht werden.

Adolf Stepan, Studiendekan für die postgradualen Ausbildungen am Weiterbildungszentrum der TU Wien erwartet mittelfristig mehr Zulauf, zumal auch das Neueste angeboten werden könne. Sehr erfolgreich laufe jetzt schon etwa der Master-Lehrgang für erneuerbare Energie, so Stepan.

An der WU Wien sei bereits abzusehen, dass die Teilnehmergrenze in den unterschiedlichen MBA-Ausbildungen nach oben rücken werde, sagt Astrid Kleinhanns von der WU Executive Academy. Heißt: Nicht alle Bakkalaureats-Absolventen werden einen Master anhängen können. Eine Zugangsbeschränkung werde hier definitiv stattfinden. Nach mindestens zweijähriger Berufserfahrung werde der Zulauf auf die MBA-Studien seitens der Bakkalaureats-Absolventen zu erwarten sein.

Recruiting beginnt

Grundsätzlich kann Kleinhanns der Umstellung Gutes abgewinnen. Die Bakk-Absolventen könnten früher auf den Arbeitsmarkt, dort Erfahrungen sammeln und mit "Bildungshunger" für einen MBA zurückkehren, sagt sie. Mit den Professional MBAs Schwerpunkte zu setzen sei sowohl für die Jüngeren, mit zwei bis fünf Jahren Erfahrung nach dem Bakkalaureat, als auch für deren Arbeitgeber interessant. So etwa rekrutiert die Boston Consulting Group bereits Bakkalaureats-Absolventen. Den erfolgreichsten unter ihnen wird im Rahmen des beruflichen Umfeldes ein Postgraduate finanziert.

Die Uni Wien wird bis 2008/ 2009 umgestellt haben. Bis 2008 müsse auch die Frage der Umstellung bei den Juristen gelöst werden, so Vizerektor Arthur Mettinger. Mit der Employability im Fokus werde im Rahmen des Bakkalaureats Berufsvorbildung, keine -ausbildung angeboten werden. "Damit grenzen wir uns von den FHs ab", so Mettinger. Über eine Modularisierung aber werde versucht, individualisierte Studienverläufe besser möglich zu machen. Der Studierende könne sich so autonom auf "seine" Berufsfelder vorbereiten. Der Master, so Mettinger, werde ein akademisches Studium sein, kein "Berufs-Master". Eingangsprofile müssten erfüllt werden - über Kompetenzen, nicht über Quoten. Mettinger: "Ich glaube, dass ein gut abgestimmter Bildungsgang, der jünger in den Markt entlässt, mehr Vor- als Nachteile hat. Weil er Flexibilität gewährt und die Unternehmen eher Generalisten suchen, um diese intern weiterzubilden. Es liegt an den Unis diese Kompetenzprofile klar darzustellen." (DER STANDARD-Printausgabe, 18./19.2.2006)

Von Heidi Aichinger
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