Österreichs einziger Narrenschneider

8. Jänner 2007, 16:48
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Andreas Greif führt die Manufaktur in dritter Generation - Auch bei Kostümen gibt es derzeit eine "Mozart-Welle"

Wien - "Das ist der Renner der heurigen Faschingssaison. Wir haben zusätzliche Arbeitsschichten einlegen müssen, um die Nachfrage nach Mozart-Kostümen für Kinder befriedigen zu können", so Österreichs einziger Faschingskostümhersteller, Andreas Greif, über die Ausläufer der heurigen Mozartwelle, die auch ihn erreicht haben.

Der 43-jährige Unternehmer aus Wien fertigt im Bezirk Neubau zu Ehren des Kompositionsgenies Jäckchen, Spitzenwestchen, kleine Barockhosen und natürlich weiße Perücken mit Zopf oder Löckchen. Bereits Dreijährige werden im heurigen Fasching als kleine Mozarts Eltern und Großeltern begeistern.

Andreas Greif, pünktlich am 11. November zu Faschingsbeginn geboren, führt das Geschäft nun in dritter Generation. Seine Großmutter Miranda Weissenfeld - "eine elegante Dame, die nie ohne perfektes Make-up aus dem Haus ging" - hat 1948 in den harten Nachkriegsjahren eine Erzeugung von Indianer- und Cowboyartikeln, Springschnüren, Windrädern und Federmasken gegründet und im Laufe der Jahre ausgebaut.

Mozartkostüme für Kinder

1984 sorgte Enkel Andreas Greif für frischen Wind im Faschingsgeschäft. Der einzige Kostümhersteller Österreichs nahm an internationalen Messen teil, erste Exporte ins Ausland folgten. Mittlerweile beliefert Greif ganzjährig einige Themenparks in Europa. Der gehobene Fachhandel ordert bei ihm vor allem Indianerartikel und Spielzeugtrommeln. 1998 wurde schließlich das Geschäft durch einen Detailverkauf für Party- und Karnevalartikel in der Domgasse erweitert, wo auch die kleinen Mozartkostüme reihenweise die dazupassenden Träger finden - genau gegenüber von Mozarts einziger erhaltener Wiener Wohnung, die heute zu besichtigen ist.

Und was das Genie selbst wohl im Fasching getragen hat? Auch darauf finden die zahlreichen Überlieferungen eine Antwort: Wolfgang Amadeus schrieb in einem mit 22. Jänner 1783 datierten Brief an "Mon tres cher Pere!: Und nun noch eine bitte, denn meine frau lässt mir keinen fried; sie wissen ohne zweifel daß izt fasching ist, und daß hier so gut wie in Salzburg und München getanzt wird. Und da möchte ich gerne - aber daß es kein Mensch weis -| als Harlequin gehen, weil hier so vielle, aber lauter Eseln, auf der Redoute sind; folglich möchte ich sie bitten mir ihr Harlequin kleid zukommen zu lassen." (APA)

  • Artikelbild
    foto: reinhard podolsky
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