"Verbraucher sollen wissen, woher ihre Kleidung kommt"

7. März 2006, 18:25
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Italiens Textilbranche habe die Talfahrt überwunden, ist Experte Paolo Zegna überzeugt - Qualität und Design sollen zu Wachstum verhelfen

Die derzeit stattfindenden Mailänder Pret-à-porter-Schauen sorgen für eine Umbruchstimmung im italienischen Modeszenario. Die am Wochenende beendete neue Textilmesse Milano Unica (719 Aussteller) brachte Rekordergebnisse. Chinesische Hersteller waren bei der auf Qualitätsstoffe spezialisierten Messe nicht zugelassen.

Paolo Zegna, Vorstandschef des florierenden Familienluxusmodekonzerns Ermenegildo Zegna und Präsident des Fachverbands Sistema Moda Italiana (smi), ist nicht nur Modespezialist, sondern auch ein überzeugter Europäer. Deshalb kann er die deutsche, aber auch die österreichische Aversion gegen die Etikettierungspflicht nicht verstehen.

Ursprung nachvollziehbar machen

Denn die beiden Länder sträuben sich, ebenso wie die skandinavischen Staaten, gegen die obligatorische Einführung der Ursprungsbezeichnung - nicht nur für Textilien, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren, sondern auch für Schmuckstücke, Möbel und Keramikwaren.

"Die Lobby der Importeure und Händler ist in Deutschland und Österreich einfach zu stark", kritisierte der Unternehmer im Gespräch mit dem STANDARD die Haltung. Es gehe schließlich darum, die Verbraucher zu schützen. "Und der europäische Verbraucher hat das Recht, darüber informiert zu werden, woher die gekaufte Ware stammt." Die Verbraucherschutzverbände in Europa seien wohl noch nicht stark genug, um hier etwas zu bewegen.

Konzentration auf Qualität

Zegna geht es aber nicht nur um den Verbraucher, sondern letztlich um die italienische Textil- und Modebranche. "Wir wollen nicht das Schicksal der deutschen Textilindustrie erleiden", beschwört der Manager. Die italienischen Unternehmen konzentrierten sich derzeit auf hohe Qualitätsware, bei der es noch gute Wachstumschancen gebe. Zwar werde der Schrumpfungsprozess im Modebereich noch anhalten, doch sei eine Sanierung in Sicht.

Luxusmode für China

Für 2006 sieht Zegna dank des Exportbooms in die asiatischen Länder und der Belebung in den USA eine leichte Erholung. Mit 67.000 Unternehmen und 580.000 Beschäftigten hat die Textil- und Bekleidungsbranche in Italien einen viel höheren volkswirtschaftlichen Stellenwert als in anderen Staaten der Europäischen Union.

Italiens Mode will in Zukunft durch Qualität und Design, die Bildung des "Systems Italien", punkten. Ex-Gucci-Stardesigner Tom Ford werde in Zukunft für Ermengildo Zegna entwerfen, wird hinter vorgehaltener Hand in Mailand gemunkelt. Zegna will seine Geschäftskette vor allem in China, "wo sich künftig 30 Prozent des weltweiten Luxusmarktes konzentrieren wird", erweitern, aber auch den Wien-Standort erneuern.

Auf Expansionskurs

Symptomatisch für den neuen Wachstumstrend ist auch die Mariella Burani Fashion Group. Das Modehaus aus Reggio Emilia hat in den letzten Jahren ein jährliches Umsatzwachstum von 25 Prozent verzeichnet und nicht nur die österreichische Handelskette Don Gil, den deutschen Modekonzern René Lezard, sondern auch die Schweizer Luxuskette Bernie's übernommen. Burani ist weiter auf Expansionskurs. Dieser soll unter anderem durch den Börsengang ihres Accessoiresektors Antiqui Pelletieri (Braccialini, Baldinini, Biasi) finanziert werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.1.2006)

Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand
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    Mit edlen Designstücken wie diesem pinkfarbenen Wäschetraum aus Seide von Valeria Marini, der auf der Mailänder Textilmesse Milano Unica gezeigt wurde, hofft Italiens Modebranche wieder vermehrt im heiß umkämpften Textilmarkt punkten zu können. Nicht fehlen soll dabei ein Hinweis auf das Herkunfts- land.

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