Billigflieger punkten bei Flugsicherheit

12. März 2006, 19:43
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Die Bauchlandung vor zwei Jahren kostete der AUA ihren Spitzenplatz im internationalen Sicherheitsranking - Viele Billigflieger schneiden besonders gut ab

Wien - Der autistische "Rain Man" hatte doch Recht. "Qantas ist noch nie gecrasht", sagte der von Dustin Hoffman gespielte, faktenbesessene autistische Mann in verzweifelter Flugangst, als er am Flughafen die Unfalldaten aller angebotenen Airlines herunterbetet und schließlich von Tom Cruise gefragt wird, mit welcher Airline er fliegen will.

Das war 1988, und Qantas ist weiterhin in puncto Sicherheit ungeschlagen: Mit null Flugzeugverlusten und null Todesopfern in den letzten, unfallfreien 33 Jahren liegt sie mit einer Sicherheitsrate von 0,00 an der Spitze des jährlichen Sicherheitsrankings 2006 der 50 weltweit größten Fluggesellschaften. "Rain Man" könnte jedoch noch auf weitere Fluglinien mit vergleichbar guter Sicherheitsrate zurückgreifen (siehe Grafik), die nur aufgrund ihrer späteren Gründung hinter Qantas liegen: Die zwei Jahre nach den Australiern gestartete Finnair auf Platz zwei etwa, oder die 1946 gegründete Cathay Pacific aus Hongkong.

Zwölf unfallfreie Airlines

Insgesamt weist das vom deutschen Flugunfallzentrum Jacdec (Jet Airlines Crashes Evaluation Centre) alljährlich veröffentlichte Ranking zwölf langjährig unfallfreie Airlines mit der Note 0,00 aus, die sich nur durch ihre Bestandsdauer unterscheiden. Für manche überraschend: Ein Drittel der Top 12 sind Billigflieger, Air Berlin führt (aufgrund ihrer bereits 1979 erfolgten Gründung vor Ryanair, Easyjet und Jet Blue). Das sei "ein bemerkenswerter Durchmarsch", kommentiert das Fachmagazin Aero International, das das Jacdec-Ranking als erstes veröffentlichte. Zwar habe dies mit der relativen Jugend der Airlines zu tun, aber zumindest derzeit würden sie den etablierten Fluglinien in nichts nachstehen.

Die heimische Austrian Airlines vermasselte sich ihren früheren Platz unter den 0,00-Airlines mit der Bauchlandung einer Fokker 70 bei München vor zwei Jahren. Auch wenn dabei keine Personen zu Schaden kamen rutschte sie damit auf Platz 19 mit Note 0,06 ab, unmittelbar hinter ihrem wesentlich größeren Allianz-Partner Lufthansa (Note 0,05) und einige Plätze vor dem neuen Allianzpartner Swiss (Platz 24, 0,12).

"Keine Unfalltoten"

Die AUA verweist darauf, dass es bei ihr, ebenso wie bei den Spitzenreitern, seit mehr als 40 Jahren keinen Unfalltoten gegeben habe. "Aussagen über die Zukunft lassen sich aus dem Ranking nicht ableiten", betont Jacdec; und auch der aktuelle Platz relativiert sich oft, da auch lange zurückliegende Unfälle relativ großes Gewicht haben - so etwa ist die Lufthansa seit zwölf Jahren unfallfrei unterwegs, schneidet aber dennoch nur im Mittelfeld ab. Zwar gab es 2005 insgesamt 1054 Todesopfer in der zivilen Luftfahrt, aber keines davon bei den 50 größten Airlines. (Helmut Spudich/APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.2.2006)

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    Insgesamt weist das vom deutschen Flugunfallzentrum Jacdec alljährlich veröffentlichte Ranking zwölf langjährig unfallfreie Airlines mit der Note 0,00 aus.

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