EU-Kommission mit Einwänden gegen Telering-Verkauf

2. März 2006, 19:40
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Verkäufer Alltel trifft Vorkehrungen für mögliche Ablehnung: Zusatzbonus für Mitarbeiter bei neuem Käufer vereinbart

Brüssel/Wien - Die EU-Kommission hat neue Einwände gegen den Verkauf des viertgrößten österreichischen Mobilfunkanbieters tele.ring an die Nummer Zwei T-Mobile vorgelegt. Der Deal würde den Wettbewerb am österreichischen Mobilfunkmarkt "erheblich behindern" und sei "nach derzeitigem Kenntnisstand (...) unvereinbar" mit den Marktregeln der EU, hieß es in einem internen Zwischenbericht der Kommission vom 8. Februar, der am Wochenende in Auszügen über Umwege an die Öffentlichkeit gespielt wurde.

tele.ring habe im österreichischen Mobilfunk "eine aktive, seine Marktanteile vergrößernde Rolle gespielt" und von allen den Betreibern "den stärksten Wettbewerbsdruck auf (die Marktführer, Anm.) Mobilkom und T-Mobile ausgeübt". Nach der tele.ring-Übernahme würde T-Mobile gemeinsam mit dem Marktführer Mobilkom (A1) 76 bis 80 Prozent des österreichischen Mobiltelefonie-Marktes dominieren. Es sei deshalb wahrscheinlich, "dass der vorgeschlagene Zusammenschluss zu koordinierten Effekten in der Form der Entstehung einer gemeinschaftlich marktbeherrschenden Stellung durch die gemeinsame Einheit T-Mobile/tele.ring und Mobilkom führen wird", heißt es in dem Bericht, der der APA vorliegt.

Strategie

Zusagen, wonach UMTS-Frequenzen und die Sendemasten von tele.ring an One und Hutchison verkauft werden sollten, um die kleineren Konkurrenten zu stärken, kann die Kommission demnach wenig abgewinnen. Es sei trotz der Zusagen "unwahrscheinlich, dass Hutchison und One die gleiche Geschäftsstrategie und Preissetzungspolitik wie tele.ring betreiben werden". Auch ein weiterer Wettbewerb um Kunden zwischen Mobilkom und T-Mobile zu Lasten ihrer Profitabilität sei nicht zu erwarten, so die EU-Wettbewerbsbehörde.

Wie die APA aus Unternehmenskreisen erfuhr, hat der Verkäufer von tele.ring, der US-Konzern Western Wireless/Alltel, unterdessen für den Fall, dass die EU-Kommission den Deal mit T-Mobile tatsächlich untersagen sollte, bereits Vorkehrungen getroffen.

Eine Vereinbarung mit der Belegschaftsvertretung, wonach jeder tele.ring-Mitarbeiter bei Abschluss des Verkaufs an T-Mobile eine Einmalzahlung von rund sechs Monatsgehältern erhalten würde, wurde erweitert. Die Mitarbeiter sollen jetzt einen Zusatzbonus erhalten, wenn tele.ring nicht an T-Mobile, sondern an einen anderen Interessenten verkauft wird, bzw. auch dann einen Bonus ausbezahlt bekommen, wenn das Unternehmen nicht verkauft wird.

Für den Falle der Untersagung

Als wahrscheinlich gilt, dass Alltel im Falle einer Untersagung des Zusammenschlusses von tele.ring mit T-Mobile das Unternehmen an Finanzinvestoren verkaufen würde. "Das wäre die schnellste Lösung, weil es dann für die Wettbewerbsbehörden nichts zu untersuchen gebe", hieß es aus den Unternehmenskreisen. Ein Verkauf an die niederländische KPN, die seinerzeit ebenfalls massives Interesse an tele.ring angemeldet hat, würde dagegen ein neuerliches Wettbewerbsverfahren mit sich bringen, hieß es.

Tatsächlich drängt für Alltel die Zeit: Der US-Konzern hat die tele.ring-Verkaufserlöse bereits für neue Zukäufe verplant. Mit Finanzinvestoren, allen voran die internationalen Fondsgesellschaften Permira, Apax und Novator, hatte Alltel schon vor dem Abschluss mit T-Mobile Gespräche geführt.

Drei Viertel-Chance

Die Chance, dass die "Variante B" überhaupt zum Tragen kommt, bezeichnet man in den alten tele.ring-Eigentümerkreisen trotz der kritischen EU-Stimmen allerdings weiterhin nur mit "25 Prozent". Drei Viertel aller EU-Wettbewerbsverfahren in diesem Stadium hätten bisher mit einer Genehmigung geendet. Alles werde jetzt "davon abhängen, inwieweit die Parteien dazu bereit sind, weitere Zugeständnisse zu machen".

Auch T-Mobile-Chef Georg Pölzl hatte - in Kenntnis des Kommissionsberichts (genannt "statement of objections") - erst vergangenen Dienstag auf der internationalen Mobilfunkmesse in Barcelona seinen Optimismus bekräftigt, dass der Fall positiv abgeschlossen wird. Noch-tele.ring-Chef Michael Krammer, der nach Abschluss des Deals zum deutschen Mobilfunkbetreiber E-Plus wechseln möchte, meinte auf APA-Anfrage nur, sein Unternehmen sei mit der EU-Kommission "in permanentem Dialog" und könne "zu einem laufenden Verfahren keine Stellungnahme abgeben".

Vertraglich festhalten

Dem Vernehmen nach sollen die Zusagen über den Verkauf von Lizenzen und Sendeanlagen jetzt vertraglich fixiert werden. Möglicherweise gibt T-Mobile dabei Hutchison auch noch einen Preisnachlass. Dafür müsste sich Hutchison jedoch verpflichten, die erworbenen Masten rasch auf ihre UMTS-Technik umzurüsten. Realistisch ist laut Insidern, dass Hutchison seine Reichweite von 50 Prozent der österreichischen Bevölkerung bis Ende 2009 auf 90 Prozent ausdehnt.

T-Mobile und Alltel haben noch bis 3. März Zeit, auf den Zwischenbericht der EU-Kommission zu reagieren. Am 9. März wird voraussichtlich ein Treffen mit EU-Wettberbskommissarin Neelie Kroes stattfinden. Nach bisherigen Angaben will die Brüsseler Wettbewerbsbehörde bis 28. März endgültig über die Übernahme entscheiden. Durch neuerliche Zugeständnisse von T-Mobile verschiebt sich die Frist allerdings bis Ende April. (APA)

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