Mozarts Linz-Bezug?

24. Februar 2006, 21:51
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Ihre Fragen zu W.A.M. - Kurt Palm antwortet

Erwin J. Franz möchte wissen, welche Beziehungen Mozart zu Linz hatte und ob er sich je über die Stadt geäußert hat.



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Im Laufe seines Lebens besuchte Mozart fast ein dutzendmal Linz, und bereits sein erster Aufenthalt in dieser Stadt im Herbst 1762 war aus mehreren Gründen von großer Bedeutung für die Karriere des angehenden "Wunderkindes": Nicht nur dass der sechseinhalbjährige Wolfgang am 26. September 1762 um ca. 17.00 Uhr bei der Schiffsanlegestelle in Linz zum ersten Mal österreichischen Boden betrat, fand hier fünf Tage später auch sein erstes öffentliches Konzert überhaupt statt. Davor hatte Mozart in München und Passau ja lediglich im kleinsten Kreis vor dem Kurfürsten bzw. dem Fürstbischof gespielt.

Das Konzert in Linz, bei dem Mozart gemeinsam mit seiner Schwester Nannerl auftrat, fand im Alten Rathaus am Hauptplatz statt und diente quasi als Generalprobe für den großen Auftritt in Wien, der von Mozarts Vater generalstabsmäßig vorbereitet wurde. Wie man den Briefen Leopold Mozarts entnehmen kann, verlief das Konzert in Linz zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten, und Leopold berichtet stolz, dass seine Kinder, "sonderheitlich der Bub, alles in Verwunderung setzten".

Der positive Eindruck, den die erste Linz-Reise bei der Familie Mozart hinterließ, hing aber nicht nur mit dem großen Erfolg der Mozart-Kinder zusammen, sondern auch mit der freundlichen Aufnahme im Gasthof "Zur Dreifaltigkeit" am Hofberg (heute Hofgasse 11). Ein weiterer wichtiger Linz-Aufenthalt Mozarts war jener im Herbst 1783, als er sich gemeinsam mit seiner Frau auf der Durchreise von Salzburg nach Wien befand und die beiden auf Einladung Johann Joseph Graf Thun Hohensteins mehr als einen Monat in dessen Palais verbrachten.

Hier komponierte Mozart binnen weniger Tage "über hals und kopf" die so genannte "Linzer Sinfonie" (KV 425), die nicht nur im Palais Thun Hohensteins mit Mozart am Fortepiano aufgeführt wurde, sondern auch im heute nicht mehr existierenden Wassertheater an der Donaulände. Aus den Briefen Mozarts geht hervor, dass er sich in dieser Stadt durchaus wohlfühlte, auch wenn es bedauerlicherweise keinen Beleg dafür gibt, ob er hier jemals eine Linzer Torte gegessen hat. (ALBUM/DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.2.2006)

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