Per Anhalter durch die Galaxis

24. Februar 2006, 16:55
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Fliegen wird er wahrscheinlich, aber es steht noch einiges in den Sternen: Erster österreichische Satellit soll Ende 2007 seine Reise antreten

Der erste österreichische Satellit soll Ende 2007 seine Reise antreten. Er wird Vibration von Sternen vermessen und somit Aufschluss über die chemische Entwicklung des Universums geben. Die Projektleiter sind hoch zufrieden auch wenn noch nicht alle Fragen geklärt sind.


Wien - Fliegen wird er wahrscheinlich, aber es steht noch einiges in den Sternen: Ende 2007 soll der erste österreichische Satellit "TUG-Sat" (Technische-Universität- Graz-Satellit) ins All geschossen werden, 500.000 Euro Förderung gibt es - die eigentlichen Startkosten sind damit aber noch nicht gedeckt. Vielleicht gibt's ja irgendwo irgendwie eine Gratis-Mitfluggelegenheit, hoffen die Projektbetreiber.

Untersuchungsobjekte helle Sterne

Diese sind jedenfalls zuversichtlich, dass ihr fünf Kilo schwerer Satellit, ein Würfel mit 20 Zentimetern Kantenlänge, seine Reise antreten kann. Ziel der "BRITE Austria" genannten Mission ist es, mithilfe einer präzisen Satellitenkamera helle Sterne zu untersuchen. Dadurch hofft man Informationen über jene Prozesse zu erhalten, die für die chemische Elemente im Kosmos verantwortlich sind.

Voller Nationalbewusstsein hat das Ministerium für Innovation und Technologie mit Staatssekretär Eduard Mainoni 45.000 Euro Fördergeld für die Mission zur Verfügung gestellt. Das ganze Projekt wirke nachhaltig, sagt Mainoni. Das Unternehmen wird in Österreich nicht nur gebaut und entwickelt, sondern auch die Datenanalyse soll in Österreich stattfinden. Österreichische Unternehmen sollen stark miteinbezogen werden.

Für die Studenten sei das Projekt von großem Vorteil, denn von Anfang an gilt "Hands-on-Training". Diplomanden und Dissertanten machen das Projekt auch billig - noch steht das Budget für die operationelle Phase nicht fest.

"Erfolgsgeschichte"

Dennoch ist die Freude über das Projekt am Freitag bei der Vertragsunterzeichnung riesengroß. Bereits zweimal, sagt der Projektverantwortliche Otto Koudelka, hatte Österreich vor, einen eigenen Satelliten ins Weltall zu schicken. Sowohl der Plan, einen Subsatelliten von der russischen Raumstation "Mir" abzuschicken, als auch ein schweizerisch-österreichisches Satellitenprojekt scheiterten. Diesmal jedoch soll laut Klaus Pseiner, Geschäftsführer der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), alles anders werden. Dies deshalb, weil Österreich in den vergangenen 30 Jahren eine Erfolgsgeschichte der Raumfahrt schreibe. Es gebe heute keinen europäischen Satelliten mehr, der ohne österreichische Beteiligung abhebt.

Datenauswertung in Wien

Werner Weiss vom Wiener Institut für Astronomie erklärt, dass der Satellit verschiedene Helligkeitsvariationen der Sterne messen wird - ähnlich wie man anhand tiefer oder hoher Töne auf Masse und Struktur von Musikinstrumenten schließen könne. Bei Sternen müsse man eben durch die Sternvibrationen auf den Sternaufbau schließen. Der österreichische Satellit soll vor allem große, massereiche Sterne unter die Lupe nehmen. In diesen entsteht nämlich das Gros der schweren Elemente im Weltall. Die Theorien gehen davon aus, dass während des Urknalls hauptsächlich leichte Elemente wie Wasserstoff oder Helium geformt wurden. Schwerere Elemente entstanden erst in den Sternen.

Das Kontrollzentrum für den Satelliten, eine Art Austria-Houston, soll in Graz entstehen, die wissenschaftliche Datenauswertung in Wien erfolgen. Gebaut wird das Vehikel von der TU Graz. (kf/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.2. 2006)

  •  So sieht das 1:1-Modell des ersten österreichischen Satelliten aus, das Freitag, 17.2., von Staatssekretär Mainoni und Vertretern von Universitäten in Wien präsentiert wurde und dereinst in den Himmel geschossen werden soll. An der Entwicklung des "BRITE Austria" ist die TU Graz maßgeblich beteiligt.
    foto: standard/bmvit

    So sieht das 1:1-Modell des ersten österreichischen Satelliten aus, das Freitag, 17.2., von Staatssekretär Mainoni und Vertretern von Universitäten in Wien präsentiert wurde und dereinst in den Himmel geschossen werden soll. An der Entwicklung des "BRITE Austria" ist die TU Graz maßgeblich beteiligt.

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