Konflikt um Impfung

26. Februar 2006, 20:40
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In der EU werden Forderungen nach Impfaktionen bei Geflügel laut, doch die sind umstritten

Wien/Brüssel – Am Freitag gab es in Österreich zum vierten Mal H5N1-Alarm. Die heimische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) teilte mit, dass in einem weiteren Schwan, den man tot aus dem steirischen Stausee Mellach gefischt hatte, das für den Menschen gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 nachgewiesen worden sei.

EU-Ergebnisse stehen noch aus

Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) stellte diesen Umstand positiv dar: „Wir haben in dieser Woche 216 tote Vögel untersucht. Nur die vier Schwäne waren infiziert“, sagte sie. Also sei „derzeit auszuschließen, dass das Virus außerhalb des Raums Mellach in Österreich irgendwo vorkommt“. Eingesandte Proben aus Wien, Niederösterreich, der Obersteiermark und dem Raum Neusiedlersee hätten allesamt negative Testergebnisse gezeigt. Bisher nichts bekannt ist über die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen des EU-Referenzlabors im englischen Weybridge – weder im Fall des toten slowenischen noch in den Fällen der steirischen Schwäne. „Auch wir warten gespannt“, sagte am Freitag Ulrich Herzog, Leiter des Fachbereiches Verbrauchergesundheit im Ministerium.

Bei den Maßnahmen zur Eindämmung der gefährlichen Vogelgrippe sei man jedoch – so Herzog – „auf dem richtigen Weg“. Auf einem besseren zumindest als in den Niederlanden, von wo am Freitag die Forderung kam, die EU möge die Erlaubnis zum Impfen von Vögeln gegen H5N1 geben.

Zweistufig impfen

Laut niederländischem Wunsch, der vom EU-weit wichtigsten Veterinärimpfstoffproduzenten Frankreich unterstützt wird, sollen in einem ersten Schritt die Hühner von Hobbyzüchtern immunisiert werden. Später will man die Impfaktion auf die Zuchten in kommerziellen Betrieben ausweiten. Doch laut Herzog hätte dies die Konsequenz, „dass das heimische H5N1- Überwachungssystem über den Haufen geworden würde“. Nach einer Impfung nämlich seien im Geflügelblut abgetötete Vogelgrippeviren nachweisbar. Immunisierte Tiere könnten dann nicht mehr von jenen unterschieden werden, die sich angesteckt haben, aber bei denen die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist.

Großflächige Immunisierungsaktionen seien – so Herzog – deshalb nur in Ländern wie etwa China angesagt, wo H5N1 schon in den Geflügelzuchten grassiere. Auch die EU-Kommission habe sich deshalb bisher immer gegen das Vogelimpfen ausgesprochen. Die Impfpläne werden am Dienstag im EU-Expertenkomitee diskutiert. (Irene Brickner, Alexandra Föderl-Schmidt, DER STANDARD Printausgabe, 18./19.02.2006)

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