Kopf des Tages: Karl Petrikovics

24. Mai 2006, 10:17
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Der relative Reichtum eines Workaholics

Seit 1990 baute Karl Petrikovics als Chef der Constantia Privatbank Österreichs größten Immobilienkonzern, die Immofinanz, auf, die auch im europäischen Vergleich eine beachtliche Größe erreicht hat. Wer mit dem Workaholic mithalten will, muss früh aufstehen, gute Nerven haben und sollte tunlichst keine Angst vorm Fliegen haben: Der Vater zweier Söhne verbrachte im Vorjahr 120 Nächte in Hotels, ist mindestens zwei Tage pro Woche im Ausland und hat allein im vergangenen Jahr 750.000 Flugmeilen gesammelt.

Im Jahr 2001, während der Terroranschläge auf das Pentagon, war er in Washington. Aber selbst das konnte ihm keine Flugangst einflößen, ist er doch selbst am 15. Dezember 1991 nach einem Pilotenfehler mit einem Privatflieger in Schwechat abgestürzt. Während andere Mitreisende sich von dem Schock jahrelang nicht erholten, saß Petrikovics zwei Tage später schon wieder in einem Flieger nach irgendwohin.

Der Wecker läutet täglich um viertel sechs, wenig später düst er von seinem Haus in Hietzing mit dem A8 ins Büro in die Bankgasse und hält dort die Mitarbeiter auf Trab. Von diesen verlangt er kurze, prägnante Antworten, für Schwafler fehlt ihm die Geduld. Im Sommer ist der gebürtige Waldviertler am Wochenende bereits um halb sechs auf dem Golfplatz in Himberg anzutreffen, "weil es dann ruhig ist", sagt er. Andere meinen, er habe die Bettflucht.

Im wahrsten Sinne lieb und teuer ist ihm nur die Familie, er selbst habe wenig Zeit, um Geld auszugeben. Reich sei er, der mittlerweile ein Immobilienvermögen von über sechs Mrd. Euro verwaltet, als Manager nicht geworden. Das freilich ist relativ: Er besitzt privat ein paar Häuser und ist mit dem Anwalt Rudolf Fries im Konsortium, das erhebliche Anteile an Böhler Uddeholm hält.

In seiner Bankerlaufbahn war der heute 51-jährige Doppelmagister (Betriebswirtschaft und Jus) und einfacher Doktor (in Jus) vom Start weg als Einzelkämpfer unterwegs. Als diplomierter Betriebs- und Steuerberater landete er nach vier Jahren bei Berater Arthur Andersen und nach einjährigem Zwischenspiel in einem Großhandelsbetrieb ("Die Firma hat meine Tätigkeit nicht überlebt"), 1985 schließlich bei einer ursprünglich auf Maschinen- und Anlagenleasing spezialisierten CA-Tochter. In einer One-Man-Show machte Petrikovics daraus die spätere M.A.I.L., die fortan durchwegs vermögende Kundschaft mit steueroptimierenden Anlagevariationen (Bauherrenmodellen) hart an der Schmerzgrenze der Finanz versorgte.

Richtigen Urlaub machte der USA-Fan schon lange nicht mehr, selbst in Aspen, Colorado, wo Gattin (sie arbeitet in der Erste Bank) und Söhne Ski laufen waren, ist er jederzeit telefonisch erreichbar. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.2.2006)

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    foto: epmedia
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