Aufstiegshilfe für zwei Kufen

15. Oktober 2006, 00:00
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Die Infrastruktur beim Rodeln wird besser: Die Wiederbelebung eines Alternativsports

Wie man sich der saisonalen Hauptsache Schnee nähert, bleibt Geschmackssache. Tatsache ist, dass Kufen und "Winterreifen" dabei wieder zunehmend eine Rolle spielen werden, Rodeln und Snowtubing mutieren von der spaßtechnischen "Sättigungsbeilage" zum echten Alternativprogramm für Wintersportler.

Um diesen Sport als vollwertiges Angebot neben den etablierten Brettspielarten auf der Piste positionieren zu können, reicht es natürlich nicht, die Rodler einen Abend lang zu Fuß bergauf zu schicken und in einer Hütte mit Jagatee auf eine Abfahrt "vorzubereiten", die dann höchstens zehn Minuten in Anspruch nimmt. Genau dieses Problem hat die Rodelbahn am Pfeifferköpfl im Salzburgerischen Bramberg nicht: Für die 14 Kilometer lange Bahn und eine Abfahrtszeit zwischen 30 und 50 Minuten lohnt sich die 5 € teure Fahrt mit der Wildkogel-bahn und auch der 15-minütige Fußmarsch bis zum Beginn der Strecke. Lediglich für Nachtfahrer bleibt es auf der bis 22.00 Uhr beleuchteten Bahn dennoch nur bei maximal zwei Fahrten, da die Gondel bereits um 16.30 Uhr (zweimal in der Woche erst um 18.30 Uhr) schließt.

Varianten, die auch in der Nacht bis zum Betriebsschluss mit Aufstiegshilfen bedient werden, findet man im neuen Salzburger Rodelführer, der im Tyrolia Verlag erschienen ist. Auf 112 Seiten wird versucht, 55 Salzburger und teils Bayerische Rodeltouren so detailliert mit Skizzen und Details zu beschreiben, wie man das sonst von einem Wanderführer erwarten würde:

So etwa die spezielle Nachtrodelbahn am Asitz in Leogang, die tagsüber als Skipiste genutzt wird. Zumindest dreimal in der Woche (Di, Fr und Sa) wird dort die Kabinenbahn bis 21.00 Uhr ausschließlich für die Rodler in Betrieb genommen. Für Skifahrer mit gültigem Skipass ist die Gondelfahrt ohnehin inkludiert, für die "Nur"-Rodler gibt es dann auch eine echte Pauschale: Um 18 Euro kann man den ganzen Abend fahren, die Leihrodel (für die nur eine Kaution von zehn Euro zu bezahlen ist) ist ebenfalls inkludiert. Zusammen mit den vier Naturrodelbahnen, die gleich nebenan - allerdings meistens nur zu Fuß - von Saalbach aus erreicht werden können, ergeben sich Varianten, bei denen man tatsächlich ans Skifahren kaum mehr denken muss.

Vollzeit-Rodler

Ein vollwertiger Rodeltag kann auch auf der Steirischen Hochwurzen eingeplant werden, da die Gondel nur eine Betriebspause zwischen 16.15 Uhr und 19.30 Uhr macht. Der Abendbetrieb bis 22.00 Uhr ist täglich außer Sonntag gewährleistet, und mit der Abendkarte um 19,50 € gehen sich dann tatsächlich mehrere Partien auf der sieben Kilometer langen Strecke aus. Gut organisiert ist auch die Anbindung zurück nach Schladming, ein Nachtbus zurück steht bis ein Uhr früh zur Verfügung.

Eine ernsthafte Alternative zum dichten Netz der Verbundstrecken in Salzburg und der Steiermark ist da höchstens noch die Rodler-Metropole Innsbruck. Zwölf Bahnen finden sich in unmittelbarer Nähe der Stadt, die Axamer Lizum verfügt überdies über eine gute Busanbindung nach Axams, zur Rodelbahn selbst pendelt täglich ein Gratisbus. Eine variantenreiche Rodelschaukel zwischen Axams, Birgitz, Mutters und Götzens erwartet man sich noch für die aktuelle Saison, die zehn Kilometer lange Strecke vom Birgitzköpflhaus hinunter nach Götzens soll das Glanzstück für die Rodler werden.

Parallel zur verstärkten Investition in bestehende und neue Rodelbahnen werden auch die Snowtubing-Bahnen professioneller. Rutschte man anfangs mit der aus Kanada reimportierten Neuauflage des simplen Reifenschlauchs noch im wilden Gelände herum, geht heute nichts mehr - schon aus Sicherheitsgründen - ohne perfekt geformte Bahnen: In Serfaus, einem der Wegbereiter für diese Trendsportart, nur mit speziellem Förderband für die Reifen und einem eigens konstruierten Shaping-Gerät, wie man es sonst nur vom aufwändigen Bau einer Halfpipe kennt. (Der Standard, Printausgabe 18./19.2.2006)

Von Sascha Aumüller

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