Immoeast: Milliarden für Ostexpansion

24. Mai 2006, 10:17
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Die Mega-Kapitalerhöhung von drei Milliarden Euro stellt alle bisherigen in den Schatten. Kritiker des raschen Wachstums mahnen zur Vorsicht

Wien - Die Immoeast, die Osttochter der Immofinanz, übertrumpft mit ihrer im Frühjahr geplanten Kapitalzufuhr von drei Milliarden Euro Unternehmen wie die OMV, die Erste Bank oder Raiffeisen, die sich für ihre Ostexpansion ebenfalls Milliarden von der Börse holten.

Konkret will die Immoeast nach der außerordentlichen Hauptversammlung am 20. März 333,5 Mio. junge Aktien im Preisband zwischen acht und zehn Euro im Bezugsverhältnis zwei zu drei begeben. Die Immofinanz, die 51 Prozent an der Immoeast hält, wird voll mitziehen. 30 Prozent werden institutionelle Investoren kaufen und der Rest Private, schätzt Vorstand Norbert Gertner.

Immobilienvermögen von 2,8 Mrd. Euro

Persönlich werde weder er noch Immoeast-Chef Karl Petrikovics Aktien kaufen: "Ich bin kein Fan vom Corporate Gouvernance Codex, weil ich nicht will, dass meine Aktientransaktionen veröffentlichen werden", sagte Petrokovics. Was soll man nun kaufen, Immofinanz oder Immoeast, wollte der STANDARD wissen? Petrikovics: "Wer konservativ veranlagt und ruhiger schlafen will, die Immofinanz, wer mehr riskieren will, die Immoeast."

Die Immoeast hat derzeit ein Immobilienvermögen von 2,8 Mrd. Euro, inklusive bereits eingegangener vertraglicher Verpflichtungen. Verträge im Wert von 1,3 Mrd. Euro sind derzeit in Verhandlung und Immobilien im Wert von einer weitere Milliarde Euro stehen in der Pipeline. Das Geld aus der Kapitalerhöhung "ist praktisch schon investiert, da brauche ich nichts mehr suchen", sagte Petrikovics. Nachsatz: "Das unterscheidet uns von Mitbewerbern." Derzeit beträgt das Eigenkapital 1,5 Mrd. Euro.

Bis zum Jahresende wird die Immoeast jeweils 15 bis 20 Prozent in Ungarn, Tschechien, Polen und Rumänien investiert haben, zu rund zehn Prozent in der Slowakei, der Rest entfällt auf das Baltikum, Bulgarien, Russland. Weiter nach Osten wolle man sich vorerst nicht. Interessant sei die Ukraine, Serbien könnte in den nächsten zwei, drei Jahren hinzukommen. Zielmärkte sind im wesentlichen sind es die ehemaligen k. & k.-Länder, sicher nicht die Türkei.

Goldener Osten

Veranlagungsschwerpunkt der Immoeast ist der Einzelhandel, Logistikflächen sowie einige Wohnungen. "Bei den Wohnungen finanzieren wir nur die Projekt-Entwickler, die die Wohnungen im Eigentum abverkaufen", sagt Petrikovics. Die Einstiegsrenditen in Budapest, Prag und Warschau lägen um 100 bis 125 oder sogar 150 Basispunkte über jenen im Westen - das sind Nettomietertrag gemessen an den Bruttokosten. Das bedeute dann im Vergleich sieben bis 7,5 Prozent Rendite gegenüber sechs Prozent in Wien. In Rumänien seien es 300 Basispunkte mehr, in Sofia 400 und in Moskau 500, also dann elf Prozent. Kiew liege mit 15 bis 16 Prozent noch darüber. Petrikovics schätzt, dass in Budapest, Warschau und Prag die Mieten in den nächsten zwölf bis 18 Monaten Wiener Niveau erreichen.

Kritiker der rasanten Expansion, die die Immoeast mit 30 Mitarbeitern bewerkstelligt, meinen, dass sich die Immogesellschaften generell jetzt noch rasch Geld besorgen, weil sie glauben, dass der Boom irgendwann zu Ende sein könnte. Und sie fordern Rahmenbedingungen für die Gesellschaft, wie es sie bei den Immobilienfonds gibt. Denn derzeit können Immoeast & Co das eingesammelte Geld für alle möglichen Investments ausgeben, bis hin zu Zeitungsprojekten. Unter Druck kommen die Immobilienmärkte jedenfalls, wenn die Zinsen steigen, weil die Mietrenditen nicht automatisch mitsteigen.

Derzeit liegen die Immobilienrenditen noch im Schnitt bei fünf Prozent; am Geldmarkt können lediglich 2,5 Prozent lukriert werden. In den USA aber bringt der Geldmarkt bereits jetzt 4,5 Prozent. Nach der angekündigten Zinserhöhung der Fed wird dies auf 4,75 bis fünf Prozent steigen. Dann könnte die Attraktivität des Immobilienmarkts sinken. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.2.2006)

  • Immoeast-Boss Karl Petrikovics wird selbst keine Aktien kaufen.
    foto: standard/andy urban

    Immoeast-Boss Karl Petrikovics wird selbst keine Aktien kaufen.

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