Trojanisches Pferd

9. März 2006, 19:03
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Siemens hat nicht nur die Krieger der VA Tech geschlagen, sondern gleich deren ganzes Holzpferd zerstört - Von Luise Ungerboeck

Den Tag, an dem sie das Holzpferd in ihre Stadt gelassen hatten, haben die Trojaner verflucht. Denn mit dem geschenkten Gaul wurden griechische Soldaten eingeschleust, die Troja heimtückisch besiegen konnten.

So ähnlich muss sich Siemens gefühlt haben, als der Anlagenbauzwerg VA Tech vor vier Jahren den Zuschlag bekam, das Gas-Kombi-Kraftwerk München-Süd auszubauen. Gallenbitter an dieser Heimniederlage: Das Tor schoss der ewige Erzrivale General Electric, seine Gasturbine befeuert nun München.

Dass ein zweites München-Süd nie wieder passieren wird, dafür ist gesorgt: Siemens hat den österreichischen Anlagenbau- und Energietechnikkonzern VA Tech geschluckt und, weil es die EU-Wettbewerbshüter so verlangten, den Wasserkraftwerksbau weiter verkauft. Da passte es gut, dass der Grazer Maschinen- und Anlagenbauer Andritz an dem mit hunderten Millionen Garantien belasteten kalorischen Kraftwerksbau gar nicht interessiert war.

Keine Garantien

Ein Verkauf an den zweiten Bieter, KTM-Großaktionär Stefan Pierer und seine Cross-Holding, wäre für den Problemstandort Weiz ab 2007 möglicherweise die komfortablere Variante mit vielleicht besseren Arbeitsplatzoptionen gewesen. Garantien im klassischen Sinn hätte es allerdings auch dort nicht gegeben, denn auch Cross muss mehr als die Kapitalkosten verdienen. General Electric aber wäre in dem Fall weiterhin aggressiv am europäischen Markt und hätte Siemens das Leben schwer gemacht - nur eben mit einem anderen Vertriebspartner.

Da war es nur logisch, dass Siemens nicht nur die Krieger der VA Tech geschlagen, sondern gleich deren ganzes Holzpferd zerstört hat. Denn nur so kann sie sichergehen, dass künftig nicht mehr General Electric drin ist, wo VA Tech draufsteht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.2.2006)

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