Kündigungen

18. Juli 2007, 10:31
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Je unfairer Entlassungen von den Verbliebenen empfunden werden, desto stärker fühlen sie sich bedroht

Bei Volkswagen wackelt jeder fünfte Job – 20.000 Stellen könnten gestrichen werden. Die US-Autohersteller kommen derzeit auf noch ganz andere Größenordnungen. In Österreich sind die Belegschaftsreduktionen nie so dramatisch hoch, die Schlagzeilen weniger spektakulär. Auf dem Papier mögen einige (Kosten-)Probleme so vorerst gelöst erscheinen.

In den Organisationen geht es dann aber erst richtig los, sagen Psychologen und bringen dazu verstärkt Fachliteratur auf den Markt: Zwischen 60 und 80 Prozent der Nichtgekündigten sind demnach schwer enttäuscht und können ihre Frustration nicht verbergen. Ihre Loyalität zum Unternehmen schwindet.

Misstrauen baut sich gegenüber der Führung auf und geht in Entfremdung über, wie der deutsche Professor für Wirtschaftspsychologie Ralf Brinkmann sagt. Je unfairer Entlassungen von den Verbliebenen empfunden werden, desto stärker fühlen sie sich bedroht. Brinkmanns aktuelles Buch: "Innere Kündigung. Wenn der Job zur Fassade wird".

Je nach Arbeitsmarktlage, so die Erkenntnis, schaut auch das mittlere Management, dass es wegkommt. Klappt das nicht, sei innere Kündigung die Folge. Ist der Chef frustriert, dann folgt ein Rattenschwanz an (ja eigentlich hilflosen) Reaktionen: Mobbing und Bossing auf verschiedensten Ebenen. Die Spirale dreht sich weiter.

Doktor Brinkmanns guter Rat für Personalisten und Führungskräfte: vor allem in Phasen der Reorganisation (wie es so schön heißt) die Zufriedenheit der Mitarbeiter pflegen – sonst verschwinden die unzufriedenen Leistungsträger bei der erstbesten Gelegenheit nach außen oder nach innen. (Der Standard, Printausgabe 18./19.2.2006)

Von Karin Bauer
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