Leiden statt Hilfe durch Medizin

17. Februar 2006, 14:10
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US-Studie: Viele Menschen mit chronischen Schmerzen sprechen auch nach drei Monaten Schmerz nicht darüber

Rochester/Wien - Jeder fünfte Mensch, der länger als drei Monate chronische Schmerzzustände hat, spricht darüber noch immer nicht mit seinem Arzt. Das hat eine neue Studie der US-Mayo-Klinik (Rochester/Minnesota) ergeben. Die Resultate stützen ähnliche Daten aus Österreich.

Dr. Barbara Yawn hatte im Bezirk Olmsted im US-Bundesstaat Minnesota 3.575 Fragebogen unter Patienten niedergelassener Ärzte ausgeteilt. 2.211 Personen füllten sie aus - enthalten waren auch Fragen über das mögliche vorliegen chronischer Schmerzen.

Ergebnisse

Das wichtigste Ergebnis: 22,4 Prozent der Patienten gaben an, schon mehr als drei Monate chronische Schmerzen zu haben, ohne darüber mit ihrem Arzt gesprochen zu haben. 25 Prozent dieser "stummen Leidenden" erklärten, die Symptome würden zumindest mittelstark ihre normalen Aktivitäten sowie ihren Schlaf beeinträchtigen. Bei jenen Patienten, welche die Probleme mit ihrem Arzt bereits besprochen hatten, lag dieser Anteil gar bei 43,2 Prozent.

Die Ärztin: "Das zeigt, dass die Identifikation von Schmerzpatienten für ihre bessere Versorgung essenziell ist. Trotz vieler Bemühungen findet offenbar noch immer keine breit wirksame Schmerztherapie statt. Ärzte haben einfach die Verantwortung, ihre Patienten auch danach zu fragen, ob sie vielleicht an Schmerzuständen leiden."

Situation in Österreich

In Österreich gibt es rund 1,5 Millionen Schmerzpatienten. Rund 320.000 Personen leiden an schweren und dauerhaften Beschwerden (vier Prozent der Bevölkerung). Laut Erhebungen über die Verordnungsstatistiken für Analgetika sind davon zumindest 200.000 nicht ausreichend betreut. Für 57 Prozent der Österreicher stellen schwere chronische Schmerzen die größte vorstellbare Bedrohung in ihrem Leben dar. 75 Prozent davon haben davor echte Angst. (APA)

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    foto: photodisc
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