El Toro - die Geschichte des Stiers

19. Februar 2006, 17:30
12 Postings

Geboren 1956, 1989 fast ausgerottet und seit 1997 unter Artenschutz: El Toro – Synonym der Bodegas Osborne. Ein Portrait in Teil 13

4.000 Kilogramm, 14 Meter Höhe, 150 m2, 70 Metallplatten – soweit die Eckdaten eines Wahrzeichens der spanischen Landschaft. 1956 vom Künstler Manuel Prieto aus El Puerto de Santa Maria als Werbetafel für Veterano Brandy entworfen (in den ersten Jahren fand sich noch der Veterano Schriftzug auf dem Stier), war der überdimensionale Stier schon bald nicht mehr aus der spanischen Landschaft wegzudenken. Bis 1988 ein Gesetz in Kraft trat, dass innerhalb eines Jahres die Entfernung jeglicher sichtbaren Werbung entlang der Autobahnen (außerhalb des Stadtgebietes) verlangte, worauf Osborne den Veterano- und Osborne-Schriftzug übermalte und die schwarzen Stiere in der Landschaft stehen ließ und den Stier als Dachmarke für die gesamte Produktpalette positionierte.

Dies führte unweigerlich zu einem Rechtsstreit und löste heftige öffentliche Diskussionen aus, in denen sich die Öffentlichkeit aber mehr oder weniger geschlossen für einen Verbleib der Stiere aussprach. 1997 entschied der Oberste Gerichtshof zugunsten des Unternehmens, mit der Begründung, die Stiere seien mittlerweile Teil der spanischen Landschaft und damit Kulturgut. Welch Glück für Osborne, stehen derzeit doch noch rund 90 Stiere quer durch Spanien und werben unübersehbar, tagtäglich für das Unternehmen.

Die Anfänge des Unternehmens

Als der junge Thomas Osborne Ende des 18. Jahrhunderts aus Exeter (England) nach Cadiz kam, hätte er sich wahrscheinlich nicht träumen lassen, dass die von ihm gegründete Firma 200 Jahre später mit rund 470 Millionen Euro Umsatz der größte spanische Wein- und Spirituosenerzeuger sein würde.

Arbeitete der junge Osborne anfangs noch für Lonergan & White, übersiedelte er bald nach El Puerto de Santa Maria, wo er mit Sir James Duff, dem britischen Konsul und dem Gründer der Bodegas „Duff Gordon“ (1772 - gemeinsam mit seinem Neffen William Gordon) Freundschaft schloss, der ihn auch mit den damaligen Größen der Sherrydynastien bekannt machte. Ein besonderes Naheverhältnis entwickelte er zu Sir James Manager, dem deutschen Konsul Nicolas Böhl de Faber, der Osborne Platz für die eigenen Geschäfte in der Bodega zur Verfügung stellte und ihn außerdem bei seinen ersten Amerikageschäften unterstützte.

1825 schließlich heiratete Osborne im Alter von 44 Jahren Nicolas Tochter, Aurora Böhl de Faber, mit der er in der Folge fünf Kinder hatte, die ersten „spanischen“ Osbornes. 1833 wurde er Partner bei Duff Gordon – 1872 erwirbt schließlich sein ältester Sohn die restlichen Anteile von Duff Gordon. Erst ab 1890 wurden die Weine unter dem Namen Osborne vermarktet (mit ein Grund war, dass Osborne beschloss auch im heimischen Markt – vor allem mit Brandy – aktiv zu werden und Duff Gordon im Spanischen nicht gerade leicht auszusprechen ist).

Conde de Osborne

Nach dem Tod von Thomas (1854) übernehmen seine Söhne Tomas und Juan Nicolas die Geschicke der Bodega (nachdem die beiden noch minderjährig waren, führte bis zu ihrer Volljährigkeit ihr Onkel Francisco Morgan die Geschäfte). Juan Nicolas war zudem spanischer Diplomat im Dienste der Krone und erhielt 1869 für seine Verdienste den Titel Conde de Osborne – Graf von Osborne. Auf Tomas Osborne Böhl de Faber folgte Tomas Osborne Guezala, der von seinem Onkel Juan Nicolas – der ohne Erben blieb – den Titel Graf von Osborne übernahm und die Geschicke des Unternehmens bis zu seinem Tod im Jahre 1935 lenkte.

Zwischen 1935 und 1972 – dem Bürgerkrieg, dem Niedergang durch den 2. Weltkrieg und den schwierigen Jahren unter Franco – leitete Ignacio Osborne Vazquez die Firma. In dessen „Amtszeit“ fällt auch die Periode des ersten massiven Wachstums der Bodega. Nach dessen Tod folgte bis 1980 sein Bruder Antonio Osborne Vazquez, der durch Enrique Osborne MacPherson abgelöst wurde (1980 – 1988). Danach übernahm der vierte Herzog von Osborne, Tomas Osborne Vazquez, die Leitung, die er bis 1996 innehatte. Seit damals steht Tomas Osborne Gamero-Civico an der Spitze des Familienunternehmens, das seit 1990 die Nummer 1 in Spaniens Wein- und Spirituosenwelt ist.

Obwohl die Anfänge der Bodega im Sherrygeschäft lagen, macht dieser, mit ca. 2,8 Millionen Litern Jahresproduktion, nur mehr rund 7 % des Gesamtumsatzes von Euro 470 Mio. (+ 51 % in den letzten 5 Jahren!) des Unternehmens mit rund 950 Mitarbeitern aus, das in 40 Ländern weltweit vertreten ist und mittlerweile auch österreichische Wurzeln hat, vertreibt es doch Österreichs Marke Nummer 1 – Red Bull.

In unseren Breiten bekannt ist Osborne eher durch seine Brandies (Veterano, 103, Magno), die rund 40 % des Umsatzes ausmachen und durch seine Markenweine, allen voran Solaz.

Fino Quinta

Was Sherry anbelangt, führt der österreichische Importeur (Destillerie Franz Bauer in Graz, Tel. 0316 770 0) leider nur den Fino Quinta aus der Premium Sherry Serie, der – wie viele andere Sherries der Bodega auch - unter anderem im Guia Penin in den letzten Jahren ständig Topplatzierungen erreichte. Lassen wir uns überraschen, wie er bei der in Kürze stattfindenden Der Standard Sherryverkostung abschneidet!

Grundsätzlich produziert die Bodega 3 Linien, die sich ursächlich durch die Ausbauzeiten definieren: Classic mit Manzanilla, Pale Dry, Medium und Rich Golden, Premium mit Fino Quinta, Coquinero (Amontillado), Bailen (Oloroso trocken), 10RF (Oloroso medium), Santa Maria Cream, Pedro Ximenez 1827 und Rare mit ausgesuchten, in homöopathischen Mengen abgefüllten, uralten Weinen, deren Solera zum Teil bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht (Verkostungsnotizen, detaillierte Beschreibungen und Bewertungen der Gesamtpalette wird es an dieser Stelle ca. Ende Mai geben).

Die Lese der 210 ha eigenen Palomino-Weingärten in Jerez Superior erfolgt nach wie vor fast ausschließlich per Hand, mitbedingt durch das Alter der Stöcke, bei deren Auspflanzung eine maschinelle Lese noch kein Thema war.

Expansion durch Diversifikation

Das Unternehmen hat in den letzten Jahrzehnten massiv expandiert und neben Brandy in andere Weinbauregionen und auch in andere Wirtschaftszweige investiert. Unter anderem in Porto (1967), Bodegas Montecillo (Rioja, 1973), Anis del Mono (1975), 5J Sanchez Romero Carvejal Jabugo (Schinken - 1983), Meson 5J (Restaurantkette mit 13 Restaurants – 1999), Osborne Malpica (Marke Solaz – 2000, mit über 1.000 ha Rebfläche) und schließlich 2003 in Agua Solan de Cabras.

Bodegabesuch

Auch wenn die öffentlich zugängliche Führung eher oberflächlich und touristisch angelegt ist – aber was soll man, oder besser wie, in einer Stunde das Geheimnis des Sherry inklusive der Brandyproduktion erklären –, sollte man sich die Bodega aufgrund der architektonischen und kulturhistorischen Bedeutung (neben den Sherries!) nicht entgehen lassen – denn zu guter Letzt lockt der absolut empfehlenswerte Verkaufsshop, gibt es doch dort neben den Standardsherries auch die großartigen und sonst schwer erhältlichen Raresherries käuflich zu erwerben. Und für sprachlich nicht so versierte Reisende in Sachen Wein: die Bodega bietet auch Führungen in deutscher Sprache an, was trotz der vielen deutschsprachigen Urlauber nach wie vor nicht Standard in den Bodegas ist.

Bodega Portraits wird in unregelmäßigen Abständen fortgesetzt.

Von Klaus Hackl
  • Artikelbild
    foto: grupo osborne s.a.
  • Artikelbild
    foto: grupo osborne s.a.
  • Artikelbild
    foto: grupo osborne s.a.
  • Artikelbild
    foto: grupo osborne s.a.
Share if you care.